Eisbären Berlin : Ein Klub unter vielen

Die Eisbären haben ihren Spitzenplatz in der Deutschen Eishockey-Liga eingebüßt. Vor dem Spitzenspiel gegen die Adler Mannheim geben sie bescheidene Ziele für die Hauptrunde aus.

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Überhand. Mannheim liegt vor dem Spitzenspiel zehn Punkte vor den Eisbären.
Überhand. Mannheim liegt vor dem Spitzenspiel zehn Punkte vor den Eisbären.Foto: dpa

Es ist eine nettes Zahlenspiel, das die Eisbären da herausgekramt haben. Zum 100. Mal schon trifft ihre Mannschaft auf die Adler Mannheim – kein Duell gab es in der Deutschen Eishockey-Liga häufiger. 50 Mal haben die Mannheimer bisher gewonnen, 49 Mal die Berliner. So hat man es im Klub nachgezählt – und verdutzt damit nun den Trainer. „Ui“, sagt Don Jackson. „Dann stehen wir ja mächtig unter Druck. Wir müssen gewinnen, damit wir gleichauf sind.“ Das stimmt. Und irgendwie auch wieder nicht.

In Wahrheit sind die Mannheimer Jacksons Eisbären in dieser Saison so weit enteilt, dass diese kaum eine Chance besitzen, an ihnen vorbeizuziehen. Vor dem auswärtigen Jubiläumsspiel am Freitag (Beginn: 19.30 Uhr) trennen beide Teams bereits zehn Punkte. Vom Tabellenführer Kölner Haie sind die Berliner zehn Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde gar 13 Punkte entfernt. Verteidiger Jens Baxmann will deshalb „realistisch bleiben“. Platz vier gibt er als Ziel aus, so hätte seine Mannschaft in der ersten Play-off-Runde wenigstens Heimrecht.

Dass sich die Berliner mit einem vierten Platz begnügen, ist durchaus bemerkenswert, galten sie in jüngerer Vergangenheit doch immer als die unangefochtenen Häuptlinge auf dem Eis. Vor einem Jahr zu diesem Zeitpunkt führten sie souverän die Tabelle an. Dementsprechend groß war damals ihr eigenes Selbstverständnis: Wir sind die Eisbären. Probiert ruhig, uns zu schlagen. Funktioniert eh nicht. Mit dieser Attitüde wurden die Berliner Rekordmeister der DEL.

In dieser Saison jedoch hat sich einiges geändert. Aus der Über- ist eine gute Mitläufermannschaft geworden. Die Berliner flitzen und kombinieren nicht mehr so sicher übers Eis, wie es einst der Fall war, das Siegen fällt ihnen schwerer – und mit dem Selbstbewusstsein ist es auch so eine Sache. Angreifer Florian Busch hat zu Beginn der Woche festgestellt, dass „die Zeiten vorbei sind, in denen wir dominieren. Die anderen Teams haben aufgeholt.“ Immerhin drei haben die Eisbären nach aktuellem Stand auch überholt.

Warum eigentlich? Herausragende Profis wie Denis Pederson, Steve Walker, Sven Felski, Stefan Ustorf oder so treffsichere Verteidiger wie Derrick Walser und Richie Regehr laufen nicht mehr für die Eisbären auf. Und erstmals hat man es in dieser Spielzeit verpasst, sie passend zu ersetzen – so äußern es intern auch verbliebene Profis. Daniel Brière und Claude Giroux, die Stars aus der NHL geliehenen Stars, haben das zwar übergangsweise kaschiert, seit ihrem Weggang allerdings hat es wieder an Konstanz und Substanz gefehlt. Weshalb wohl sonst haben die Berliner zuletzt auf die Schnelle Corey Locke und Ryan Caldwell verpflichtet? „Mehr Optionen können gerade jetzt nicht verkehrt sein“, sagt Jens Baxmann. Denn all zu viel Zeit bleibt nicht mehr, sich für die Endrunde warmzuspielen.

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