Eisbären Berlin : Rustikal nach oben

Beim 4:3-Sieg in Augsburg wehren sich die Eisbären mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Trainer Tomlinson ist von den Disziplinlosigkeiten einiger seiner Leistungsträger aber nicht besonders angetan.

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Shawn Lalonde zeigt gegen im Infight mit Sebastian Uvira kanadische Härte.
Shawn Lalonde zeigt gegen im Infight mit Sebastian Uvira kanadische Härte.Foto: Imago

Augsburg - Das moderne Eishockey hat sich längst vom Ruf einer Rumpelsportart emanzipiert. Raufgelage passen ja auch nicht mehr in die neue Zeit der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), in der in feudalen Komfortarenen familientaugliche Unterhaltung geboten wird. Am Freitagabend gab es allerdings in Augsburg einen Rückfall in alte Zeiten. Auf dem Eis lieferten sich die heimischen Panther und die Eisbären aus Berlin am Freitag einen rustikalen Schlagabtausch. Höhepunkt eines vom Niveau her durchschnittlichen Spieles aus dem Tabellenkeller der DEL waren ein paar Faustkämpfe, die manchem Zuschauer gefallen haben mögen, den Trainer der mit 4:3 im Penaltyschießen siegreichen Berliner Mannschaft, Jeff Tomlinson, aber weniger amüsierten.

Der beste Eisbären-Verteidiger Shawn Lalonde war nach einem Scharmützel mit Sebastian Uvira vom Eis geflogen und musste sich wenig später von Jeff Tomlinson etwas anhören. „Ich habe ihm gesagt, dass so etwas gar nicht geht“, erzählte der Trainer. „Unser bester Verteidiger muss sich in so einer Situation intelligenter verhalten.“ Auch Darin Olver hatte sich kurz vor Ende noch in einem Faustkampf geübt und das Ende des Spiels nicht mehr auf dem Eis erlebt. Auch dessen Einsatz tadelte Tomlinson. Die Sturmreihe mit Olver, Barry Tallackson und Florian Busch war zu Saisonbeginn die geplante beste Reihe der Eisbären, momentan ist sie aber der größte Ballast im Spiel der Berliner. Nach vorne gelingt den drei Herren wenig, in der Arbeit nach hinten versagen sie im Kollektiv.

Dass es in Augsburg trotzdem zwei Punkte für die so schwach in die Saison gestarteten Berliner wurden, lag allen voran am zweifachen Torschützen Julian Talbot, der mit seiner Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Kasten bei den Eisbären zurzeit allen anderen voraus ist. Auch war in der Abwehr vor allem wieder auf den unermüdlich arbeitenden Jimmy Sharrow Verlass. Und dann agierten die Eisbären in Augsburg sicher insgesamt konzentrierter als in fast allen Spielen zuvor.

Am Sonntag im Heimspiel gegen die Straubing Tigers (16.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) heißt es nun Tabellenzwölfter gegen den Tabellenletzten. Und seine Mannschaft müsse sich von dem Tabellenplatz nun möglichst schnell verabschieden, findet Tomlinson. Im Idealfall mit modernem Eishockey. Claus Vetter

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