Eisbären : Das Torkonto bleibt leer

Die Eisbären Berlin wirken ratlos – und treffen kurz vor den Play-offs nicht mehr. Seit nunmehr 202 Minuten ist die Mannschaft von Trainer Don Jackson ohne Treffer. Im heutigen Spiel gegen Ingolstadt (14:30 Uhr) kämpfen die Eisbären gegen einen historischen Negativrekord.

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Da soll der Puck rein. Bei den Spielen der Eisbären Berlin treffen derzeit nur die Gegner in das Tor. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Da soll der Puck rein. Bei den Spielen der Eisbären Berlin treffen derzeit nur die Gegner in das Tor. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin - Don Jackson lässt gerne wissen, wie viel er schon erlebt hat. Immer wieder erzählt er Anekdoten aus seiner ereignisreichen Eishockeyzeit, von seinen Spielen in der besten Liga der Welt und dem Aufeinandertreffen mit den Größen dieses Sports, Wayne Gretzky, Mark Messier und wie sie alle heißen. Zuletzt hat Jackson wieder öfter alte Geschichten zum Besten gegeben, vielleicht auch, weil dem Trainer der Eisbären die Gegenwart mächtig surreal vorkommt; so etwas wie im Moment hat der 54-Jährige schließlich in seiner ganzen Karriere noch nicht erlebt: 202 Minuten oder die absurd scheinende Anzahl von zehn Dritteln haben die Berliner inzwischen nicht mehr das Tor getroffen.

Was im Fußball nichts akut Besorgniserregendes wäre, ist im Eishockey eine absolute Rarität – und durchaus als Umstand einer ernsten Krise zu werten. Bei den Eisbären gab es das seit 15 Jahren nicht mehr – damals blieben die Berliner 235 Minuten torlos –, und in der nunmehr fast vier Jahre andauernden Amtszeit von Don Jackson gab es das schon gar nicht. Nicht umsonst spricht der Trainer von „einer kuriosen, fremden Zeit für uns und die Fans“.

Dabei dürfen die Berliner noch froh sein, dass ihre Fans trotz der fremden Situation in Scharen zu ihnen kommen. Dass die Marke Eisbären (noch) funktioniert, ohne dass die Mannschaft der Eisbären permanent gut funktioniert. Zu bewundern ist dieses Phänomen am ehesten am Ticketabsatz. Für das heutige Heimspiel gegen den ERC Ingolstadt (14.30 Uhr) gibt es beispielsweise seit nunmehr zwei Wochen keine Karten mehr. Hätten sich die Eisbären inzwischen nicht ein Stück weit unabhängig gemacht vom Erfolg, würden sie momentan wohl nicht nur auf der Eisfläche ziemlich straucheln.

Sechs der vergangenen acht Auswärtsspiele hat Jacksons Mannschaft verloren, sie wirkt fünf Spiele vor Beginn der Play-offs wenig eingespielt und ist auch läuferisch im Vergleich zu früheren Zeiten auf niedrigerem Niveau. Nun sind Schwächephasen in einer langen Eishockeysaison nichts Ungewöhnliches, doch bei den Berlinern kommt es in dieser Saison zu einer für sie ungewöhnlichen Häufung von Schwächen. Dass sie in der Tabelle noch auf Rang zwei liegen, ist eher einer durchwachsenen Liga geschuldet als der eigenen Stärke. „Es ist brutal, wie es läuft“, sagt auch Manager Peter John Lee. „Das hat aber auch mit den vielen Ausfällen zu tun, uns fehlen im Schnitt drei Profis pro Spiel.“ Der jüngste Ausfall datiert von der 0:3-Niederlage am Freitag in Straubing, wo Denis Pederson verletzt vom Eis getragen werden musste. Der Angreifer droht lange auszufallen, Genaueres wird man aber erst nach einer Untersuchung am Montag erfahren.

Für Manager Lee ist das Verletzungspech das Hauptübel der aktuellen Verfassung. Vor allem aber stellt sich sein Klub auch in seiner einstigen Paradedisziplin tollpatschig an: dem Torschießen. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison hatten die Eisbären 182 Treffer erzielt – jetzt sind es 39 weniger. Was läuft da schief? Die Beteiligten wissen es selbst nicht. „Wir machen das gleiche wie die letzten fünf Jahre“, erzählt Coach Jackson. „Schwer zu sagen, woran die Tor-Misere liegt.“

Bis zu einem bestimmten Punkt lassen sich Torschüsse trainieren, irgendwann allerdings kommt zum spielerischen Element die psychische Komponente hinzu. „Die Spieler sind verunsichert und mental angeschlagen“, findet Jackson. „Aber es gibt keine Alternative: Sie müssen sich zusammenreißen und da selbst rauskämpfen.“ 33 Spielminuten haben die Eisbären noch Zeit, bevor sie ihren eigenen Negativrekord der Vergangenheit brechen.

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