Eisbären-Gegner RB München : Für Eishockey fehlt in München die Begeisterung

Eishockey und München, das war nie die große Liebe. Auch der Klubsponsor Red Bull tut sich schwer. Mit einer neuen Halle soll alles besser werden.

Viele leere Plätze. Die Dependance in München läuft noch nicht so, wie sich das Red Bull vorstellt.
Viele leere Plätze. Die Dependance in München läuft noch nicht so, wie sich das Red Bull vorstellt.Foto: Imago

Vor ein paar Tagen waren die Augsburger Panther im Olympia-Eisstadion von München zu Gast. Und deren Anhang meinte es nicht gut mit dem Gegner im bayrischen Derby. „Und in München kennt euch keine Sau“, brüllten die Fans aus Augsburg. Das saß. Denn Red Bull München, so heißt der beste Eishockeyklub der bayrischen Landeshauptstadt, hat zwar einen großen Markennamen als Klubnamen, aber mit der Popularität des erst 2004 als EHC gegründeten Vereins ist es in der eigenen Stadt nicht gut bestellt: In München spielt er im Schatten von drei Fußballklubs und sogar den Basketballern des FC Bayern. Der Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist nur Nummer fünf in der eigenen Stadt – das Schicksal teilt kein anderer Verein in der Liga.

An den Standorten der DEL, an denen der Fußball keine Rolle spielt (Mannheim, Krefeld oder etwa Iserlohn) ist Eishockey die Nummer eins, in allen anderen Großstädten von Köln bis Berlin zuverlässig die Nummer zwei hinter dem Fußball, nur in München ist es anders. Dabei wurde mächtig investiert in München, seit der österreichische Getränkegigant den Klub 2013 übernommen hat. In der ersten Saison allerdings ohne sportlichen Erfolg. Seit vor dieser Saison Don Jackson von Pierre Pagé das Amt des Cheftrainers übernommen hat, sieht es in dieser Hinsicht besser aus. Die Münchner waren lange Tabellenführer und treten nach einer kleinen Krise am Sonntag immerhin als Dritter bei den Eisbären an (14.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof).

Nun haben die Bayern – ohnehin mit zwölf Millionen Euro Saisonetat Ligakrösus – sogar noch nachgelegt und mit Francois Methot schnell noch einen prominenten Stürmer verpflichtet. Don Jackson macht gute Arbeit im Sinne des allmächtigen Eigners. Der US-Amerikaner ist ein Trainer, der sich nur für sein Kerngeschäft interessiert und nicht für Statements über die Pläne seines Arbeitgebers zu haben ist. „Visionen sind nicht meine Sache, die überlasse ich den Funktionären“, sagt er. „Ich interessiere mich für den sportlichen Erfolg.“ Doch in München geht auch die Gleichung sportlicher Erfolg bringt mehr Aufmerksamkeit im Eishockey nicht auf: Die Zuschauerzahlen bei RB München sind weit unter Ligaschnitt. In dieser Saison sahen knapp 4300 Zuschauer die Heimspiele in München, damit liegt Jacksons Mannschaft weit hinter anderen Großstadtklubs wie in Köln, Berlin oder Mannheim, bei denen fünfstellige Zuschauerzahlen Alltag sind.

Eishockeyfans sind auch Traditionalisten

Aber in München passen auch nur gut 6000 Besucher in die Halle. Eine neue Arena ist auch der eigentliche Grund des Engagements des zwar eishockeyaffinen, aber doch vor allem an den Profit denkenden Eigner-Konzern aus Salzburg. Und da sieht es seit Dezember 2014 gut aus für Red Bull. Die Stadt München hat den Weg frei gemacht für eine Arena auf dem Gelände des ehemaligen Radstadions. 10.000 Zuschauer soll sie fassen, frühestens 2017 wird der Eishockeyklub seine Heimspiele dort ausgetragen. Die Basketballer der Bayern sollen zudem Mieter in dem komplett vom Getränkehersteller finanzierten Bau werden.

Interessant daran ist, dass Eisbären-Eigner Philip Anschutz einst in punkto Hallenbau nicht in München zum Zuge kam und daher die München Barons nach Hamburg umziehen ließ, wo sie seit 2002 als Hamburg Freezers spielen. München war ohne Halle für Anschutz nicht interessant – und dass die Barons 2000 sogar Deutscher Meister geworden waren, interessierte nicht groß. Auch nicht in München, da kannten sie so etwas schon. So hatten sich im ersten DEL-Jahr 1994 die Maddogs München schon als aktueller Meister verabschiedet – den Titel hatten sie im letzten Bundesligajahr noch als Hedos München geholt. Mit den Namen im Münchner Eishockey ist das so eine Sache. Sie kommen und gehen: Ende der 1960er Jahre versuchte sich selbst der FC Bayern zwei Jahre in der Eishockey-Bundesliga.

Es sieht allerdings so aus, als solle RB sich länger halten in der DEL. Bei der Ligakonkurrenz wird das Projekt auch eher wohlwollend registriert als mit Aufregung. München sei eine Bereicherung für die DEL, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. Mit Trainer Jackson, fünf Mal Meister mit den Eisbären, hält der Manager der Eisbären München sogar für einen ernsthaften Kandidaten auf den Meistertitel. RB München ist für andere Klubs nicht so ein polarisierender Faktor wie der RB Leipzig im Fußball. Das liegt in der Natur des anderen Geschäftes Eishockey: Als die Düsseldorfer EG eine Zeit lang unter „DEG Metro Stars“ firmierte, hat das ebenso wenig interessiert wie der Fakt, dass die Nürnberg Ice Tigers nun schon seit ein paar Jahren den Namen von Mäzen Thomas Sabo vor dem Klubnamen tragen. Allerdings dürfte es – wenn Red Bull mal die Lust verliert – nicht so viel Solidarität in der Stadt geben wie zuletzt etwa in Düsseldorf. Dort haben die Toten Hosen den Traditionsklub gerettet. Derartiges ist in München unvorstellbar. Und Eishockeyfans sind auch Traditionalisten: Ein Spiel gegen Mannheim oder Köln hat für alle Klubs außerhalb Bayerns mehr Anziehungskraft als ein Spiel gegen RB München.

Dass gegen das Team von Don Jackson am Sonntag die Arena in Berlin voll sein wird, hat wohl eher etwas damit zu tun, dass bei den Eisbären seit dem Amtsantritt des neuen Trainers Uwe Krupp die Euphorie beim Berliner Publikum deutlich angestiegen ist – und das Spiel war bereits vor der 1:4-Auswärtsniederlage der Berliner am Freitag in Krefeld ausverkauft.

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