Sport : Eisbären nach Belieben

Nach dem 6:1 gegen Mannheim sind sie Tabellenführer

Claus Vetter

Berlin. Marcus Kuhl schien irgendwie geahnt zu haben, dass sein gestriger Aufenthalt in Berlin kein schöner sein würde. „Wir haben neun glückliche Jahre gehabt“, sagte der Manager der Mannheimer Adler, „momentan aber sind wir unzufrieden.“ Seit dem Spiel beim EHC Eisbären besteht dazu nun erst recht ein Grund. Denn beim Rekordmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) lief gestern im Sportforum nichts zusammen, die Adler befinden sich tatsächlich in einer unglücklichen Situation. Dagegen sind die Berlinern nach dem 6:1 (2:0, 3:1, 1:0)-Erfolg über die Adler nun Tabellenführer – zumindest bis heute, wenn die Konkurrenz spielt.

Es waren in der Vergangenheit immer enge Angelegenheiten, wenn sich Eisbären und Adler trafen. Meist siegte Mannheim. Dass es gestern nicht so kam, hatte verschiedene Gründe. Da war einmal Mannheims verunsicherter Torwart Richard Shulmistra. Dann war unübersehbar, dass den Adlern die Suspendierung ihrer Spieler Stefan Ustorf und Yves Racine in sportlicher Hinsicht nichts gebracht hat.

Nationalspieler Ustorf wird wie sein ehemaliger Kollege aus Mannheim, Klaus Kathan, mit den Eisbären in Verbindung gebracht. Ustorf war gestern nicht im Stadion, Kathan auch nicht. Er fehlte wegen einer Hirnhautentzündung. Kuhl konnte die „Diskussion um Ustorf“ ohnehin nicht mehr hören. Auch ohne Ustorf erwarte er Siege, sagte der Adler-Manager in der ersten Pause. Da lagen die Eisbären durch Tore von Steve Walker und Ricard Persson, der sein erstes Saisonspiel bestritt, schon 2:0 vorn.

Nach dem dritten Berliner Tor durch Rob Leask war dann der Arbeitstag von Shulmistra beendet, Marc Seliger ersetzte ihn. Mannheim durfte nach dem Torwarttausch einen Treffer von Robert Hock bejubeln, bevor David Roberts und Walker – jeweils in Unterzahl – für die Berliner erfolgreich waren. Yvon Corriveau traf dann kurz vor Schluss noch zum 6:1. Der Erfolg der Eisbären war verdient und eine Rarität: Es war erst ihr 17. Sieg gegen Mannheim in der 50. Begegnung beider Teams in der höchsten Spielklasse.

Ganz nebenbei ergab am gestrigen Abend eine Auslosung dann noch eine frohe Kunde für alle Fans des SC Riessersee – und vielleicht ein leichtes Los für die Berliner: Der Zweitligist spielt im Pokal-Halbfinale gegen den Sieger der Viertelfinalpartie Eisbären gegen Kassel (2. Dezember). Pokalverteidiger Mannheim ist aus dem Wettbewerb übrigens längst ausgeschieden; das zweite Halbfinale am 13. Januar bestreiten Nürnberg und Köln. Aber in Mannheim haben sie ja nach neun glücklichen Jahren ein unglückliches erwischt – der gestrige Abend unterstrich die Einschätzung ihres Managers.

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