Eisbären-Stürmer Sim : Kein Ausfall, aber wenig Einfälle

Der Kanadier Jonathan Sim steht für die aktuelle Situation bei den Eisbären. Beide kämpfen, aber der Trend ist trotzdem negativ. Bis zu den Play-offs soll es bei Sim und den Berlinern zünden.

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Gewichtiger Spieler. Jonathan Sim (rechts).
Gewichtiger Spieler. Jonathan Sim (rechts).Foto: City-Press

Im Selbstbild von Jonathan Sim kommt die Rolle eines Mitläufers nicht vor. Als „Torjäger, der dem Team helfen kann“ hatte er sich bei seiner Vorstellung in Berlin bezeichnet. Und dann das. Fünf Mal war er für die Eisbären aufgelaufen, fünf Mal war er nicht großartig aufgefallen. In seinem sechsten Versuch am Dienstagabend erzielte der 34 Jahre alte Kanadier nun sein erstes Tor für den neuen Arbeitgeber, ein weiteres bereitete er vor. Die neue Spielfreude des Jonathan Sim half dem deutschen Eishockeymeister nur bedingt. Obwohl sie sich spielerisch besser anstellten als die Düsseldorfer EG, verloren die Berliner 3:4. Diese Konstellation ist mittlerweile eine vertraute für die Eisbären – daran konnte Sims Kompetenz nichts ändern.

Eigentlich war der frühere Spieler aus der National Hockey League (NHL) geholt worden, um den Eisbären ein wenig Stabilität und Schwung zurückzubringen in einer Phase, in der sie durch viele verletzungsbedingte Ausfälle doch arg geschwächt daherkamen. Diesen Auftrag aber erfüllte der Stürmer kaum. Er rannte seinen eigenen Ansprüchen hinterher, aber auch denen seines Trainers. Don Jackson fällt zuerst das Wort „bemüht“ ein, wenn er über Sim redet; es gibt schmeichelhaftere Komplimente. „Er konnte unsere Ausfälle nicht adäquat ersetzen“, ergänzt Don Jackson. In der Tat hat die negative Tendenz der Eisbären auch mit dem vermeintlichen Star angehalten. Vier der zurückliegenden fünf Auswärtsspiele haben sie verloren, insgesamt mussten sie sich in den jüngsten zehn Begegnungen sechsmal geschlagen geben.

So gerät gegen Ende der Hauptrunde auch die Tabellenführung in der Deutschen Eishockey-Liga langsam, aber sicher in Gefahr. Einen Punkt liegen die Berliner noch vor dem ERC Ingolstadt, zwei vor Wolfsburg, drei vor Mannheim. Nun wäre es vermessen, das alles dem jüngsten Zugang im Hause Eisbären zuzuschreiben – Sim ist vielmehr ein Symptom der aktuellen Situation. Immer wieder verletzen sich immer andere Berliner Profis und müssen durch neue, fitte Spieler ausgetauscht werden. Neben den Langzeitverletzten Denis Pederson, Dominik Bielke und Stefan Ustorf fehlen fast immer mindestens vier weitere Stammspieler. Angesichts der vielen Ausfälle – am Dienstag gegen Düsseldorf erwischte es Florian Busch (Grippe) und Travis Mulock (Schnittwunde im Gesicht) – „können wir fast nie mit denselben Formationen auftreten und sind nicht richtig eingespielt“, sagt Jackson. „Es geht jetzt vor den Play-offs darum, die richtige Abstimmung und Chemie untereinander zu finden.“

Mit der Abstimmung ist das auch bei Jonathan Sim so eine Sache. Er fremdelte naturgemäß ein bisschen mit den neuen Arbeitskollegen, und mit dem Berliner Spielsystem noch ein bisschen mehr. In seinen ersten Partien für die Eisbären lief er oft nur hinterher oder ins Leere, und manchmal schoss er einfach am Ziel vorbei. Ja, es brauchte schon Fantasie, um sich auszumalen, wie dieser Mann einst zum größten Eishockeytitel überhaupt, dem Stanley-Cup, flitzte. 1999 gewann er mit den Dallas Stars den Titel in der NHL. Denn Sim hat aus seiner vorangegangen Station in Tschechien nicht nur viel Frust, sondern auch ein leichtes Fitnessdefizit mitgebracht. „Er hat in den letzten Monaten viel durchgemacht“, sagt Don Jackson.

Die Tatsache, dass Jonathan Sim nun den ersten Nachweis für seine Torgefahr erbracht hat, stimmt den Berliner Trainer dann allerdings doch leicht zuversichtlich: „Ich hoffe, dass er sich langsam findet und dann in den Play-offs mehr aufdreht.“ Gleiches gilt für die gesamte Mannschaft der Eisbären.

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