Eisbären-Talente : Nachwuchs im Überfluss

Die Eisbären versorgen die ganze Liga mit den eigenen Talenten – auch den heutigen Gegner Frankfurt.

Katrin Schulze
Gawlik
Einst Eisbär, jetzt Löwe. Stürmer Christoph Gawlik im Nationaltrikot.Foto: dpa

Christoph Gawlik muss schmunzeln. Es ist ein zufriedenes Schmunzeln, kein hämisches. „Na klar fühle ich mich wohl. Vielleicht sogar mehr als früher“, sagt der kleine Stürmer mit dem prägnanten Dialekt. Früher, als der gebürtige Bayer nicht immer so glücklich lächelte, kurvte er noch in Berlin-Hohenschönhausen über das Eis. Heute kommt Gawlik mit den Frankfurt Lions zu den Eisbären (19.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof). Zu dem Klub, mit dem er in der vergangenen Saison noch die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gefeiert hat.

Eine Meisterschaft, zu der Christoph Gawlik allerdings einen eher überschaubaren Beitrag leistete. Und das, obwohl er lange als das größte Talent der Eisbären galt: Mit gerade einmal 17 Jahren wurde er Profi, mit 18 Nationalspieler. Doch drei Operationen an der Schulter und eine leichte Disharmonie mit Trainer Don Jackson standen der großen Karriere in Berlin im Weg. Gawlik plante um. Und er plante ohne die Eisbären. „Es war eine sehr gute Entscheidung, zu wechseln, denn in Frankfurt kann ich mich weiterentwickeln“, sagt der inzwischen 21 Jahre alte Angreifer. In Berlin konnte er das nicht mehr.

Mit seinem Schicksal ist Gawlik nicht allein. Vielmehr steht er für eine neue Generation von Spielern, die von Berlin aus in anderen Städten wechselten. Und dort Karriere machen. Die Eisbären bilden Talente mittlerweile nämlich nicht mehr nur aus, um sie in die oberste Liga zu führen. Nein, inzwischen versorgen sie auch die Konkurrenz recht großzügig mit guten, jungen deutschen Spielern. „Bei den Eisbären drängen enorm viele Spieler nach“, sagt Gawlik. „Da ist es schwer, sich durchzusetzen.“ Wer in dem Wust von Talenten untergeht oder im Konkurrenzkampf unterliegt, sucht sich eben einen anderen Verein – und das oft sehr erfolgreich.

Schon neun einst unter Jackson-Vorgänger Pierre Pagé geförderte Spieler der Eisbären sind inzwischen Stammspieler bei anderen DEL-Klubs. Ein äußerst beliebtes Ziel der jungen Profis ist Hamburg: Thomas Pielmeier, Richard Mueller und Elia Ostwald trugen in der vergangen Saison noch das Trikot der Eisbären, mittlerweile schießen sie in hellblauen Hemden ihre Tore – für die Freezers. Ostwald, bei den Eisbären nur sporadisch im Einsatz, kommt in Hamburg nun schon auf vier Saisontreffer. Anders als die Freezers, die auf die gute Ausbildung in der Berliner Sturmabteilung setzen, vertraut man in Wolfsburg den Torwarttrainern aus Hohenschönhausen: Alle drei aktuellen Keeper der Niedersachsen kommen von den Eisbären.

Die Berliner stärken also die Liga. Schwächen sie sich dadurch womöglich selbst? Personell mag das so sein, auf einer anderen Ebene ist aber genau das Gegenteil der Fall: Die Transfers zahlen sich für die Eisbären aus – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. „Mit der Abgabe unserer jungen Talente verdienen wir Geld“, sagt Peter John Lee. Problematisch könnte es für den Berliner Manager nur werden, wenn seine ehemaligen Angestellten plötzlich Tore gegen ihn schießen. Genau das hat sich auch Christoph Gawlik für das Spiel gegen die Eisbären vorgenommen.

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