Eisbären treffen auf Ex-Coach : "Da sind zu viele Emotionen im Spiel"

Der frühere Eisbären-Trainer Pierre Pagé und sein Nachfolger Don Jackson reden mit dem Tagesspiegel über ihr Duell in der European Trophy, vor dem sich Pagé regelrecht fürchtet.

Weggefährten. Pierre Pagé (rechts) und Don Jackson.
Weggefährten. Pierre Pagé (rechts) und Don Jackson.Foto: Imago

Die Eishockeytrainer Pierre Pagé und Don Jackson sind sich in ihrer Karriere oft begegnet. In der nordamerikanischen Profiliga NHL war Jackson Kotrainer des Kanadiers Pagé bei den Quebec Nordiques (1992 bis 1994), 2005 war der US-Amerikaner Jackson Assistent von Pagé bei den Eisbären, dessen Nachfolge er 2007 in Berlin antrat.

Pagé wurde in gut fünf Jahren Amtszeit zwei Mal Deutscher Meister mit den Eisbären, Jackson drei Mal. Am Freitag spielen sie in Berlin (19.30 Uhr) in der European Trophy gegeneinander. Der 54-jährige Jackson als Trainer der Eisbären, der 63-jährige Pagé als Coach von RB Salzburg.

Was bedeutet das Spiel am Freitag für Sie?

PAGÉ: Ich freue mich nicht über meine Rückkehr nach Berlin. Da sind zu viele Emotionen im Spiel. Auch wenn mein Abschied von den Eisbären 2007 mit dem Scheitern vor den Play-offs nicht schön war – es war wie eine Fabel für mich in Berlin. Ein einfaches Eishockeyspiel kann nun viele gute Erinnerungen zerstören. Davor fürchte ich mich.

JACKSON: Natürlich ist es etwas Besonderes, gegen meinen alten Kollegen Pierre zu spielen. Aber ich bin da nüchtern: Wir brauchen drei Punkte. Und die holen wir uns gegen Salzburg.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die Eisbären denken?

PAGÉ: Die Eisbären sind eine der Erfolgsgeschichten im europäischen Sport. Nach der politischen Wende waren sie in Deutschland 17 Jahre lang ohne Titel und jetzt sind sie seit 2005 fünf Mal Meister geworden. Vergangenes Jahr haben sie dann die European Trophy gewonnen. Mein Gott, acht Jahre vorher haben wir in Berlin davon gesprochen und nun sind die Eisbären die Nummer eins in Europa. In Salzburg versuchen wir auch so etwas aufzubauen wie die Berliner.

JACKSON: Wir müssen hart arbeiten, um unsere Position zu verteidigen. Was gestern einmal war, interessiert im Sport heute keinen mehr.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Berliner Fans?

PAGÉ: Die Eisbären-Fans sind die besten Eishockeyfans überhaupt. Ich habe oft mit ihnen gesprochen, viel diskutiert. Der Klub hat ja seine eigene Geschichte, es gab ihn schon in der DDR als Dynamo. Ich habe die Fans verstanden, sie haben mich verstanden. Noch heute besuchen mich viele Eisbären-Fans in Salzburg.

JACKSON: Unsere Fans sind großartig, zu jedem Ligaspiel ist die Halle voll. Das ist für uns Auftrag genug, ihnen Leistung zu präsentieren. Ansonsten bin ich Trainer, kein Fanbeauftragter.

Gibt es etwas Besonderes für Sie an Berlin?

PAGÉ: Berlin ist im stetigen Wandel. Und gerade das macht die Stadt so aufregend. Da steht nichts still.

JACKSON: Berlin ist immer noch in einem Prozess des Zusammenwachsens. In der „New York Times“ stand in einem Artikel, dass bei den Eisbären Sport und Kultur verschmelzen, die Menschen zusammengebracht werden. Mit dem Umzug in die neue Arena sind wir ein Klub für ganz Berlin geworden und tragen damit einen kleinen Teil zu einer neuen Berliner Mentalität bei.

Wer ist der beste Coach, mit dem Sie jemals zusammengearbeitet haben?

PAGÉ: Da gab es einige in der NHL, zum Beispiel Scotty Bowman oder Bob Johnson. Aber Sie wollen jetzt bestimmt, dass ich Don Jackson sage (lacht). Don ist ein Typ, der jede Rolle akzeptiert – ob nun als Chef- oder Kotrainer. 2005 wollte er übrigens als Trainer nach Salzburg, hat den Job aber nicht bekommen. Ich habe ihn dann nach Berlin geholt.

JACKSON: Pierre ist einer der besten Trainer, mit denen ich arbeiten durfte. Er ist oft aufgeregt, laut und manchmal etwas verrückt. Aber er ist sehr intensiv in seiner Arbeit, das kommt bei den Spielern an, das verschafft ihm Respekt. Ich habe sehr viel gelernt von Pierre.

Die Fragen stellte Claus Vetter.

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