Sport : Eishockey: DEL-Profis drohen mit WM-Boykott

Claus Vetter

Keiner will einen Skandal, und doch gibt es im deutschen Eishockey mal wieder Unruhe, keine drei Monate vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land. Eine auf der Gesellschafterversammlung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verabschiedete Reglung macht es möglich: Danach dürfen ab der kommenden Saison nur noch 18 von 22 Spielern auf dem Spielberichtsbogen älter als 23 Jahre sein. Die übrigen vier müssen deutsche Pässe haben und jünger als 23 sein. Maximal 14 Ausländer - statt bisher 16 - darf ein Klub beschäftigen.

Viele ältere deutsche Spieler fürchten nun um ihre Einsatzchance, glauben, dass künftig neben 14 Ausländern nur noch vier deutsche Ü-23-Profis eingesetzt werden. In einem offenen Brief beschweren sich rund 30 deutsche Spieler aus der DEL, darunter auch etliche Nationalspieler. Die erwägen laut Ex-Nationalspieler Jörg Mayr (Köln) einen WM-Boykott, sollte die Neureglung nicht auf der nächsten DEL-Gesellschafterversammlung am 1. März gekippt werden.

Dazu wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. 13 von 16 Klubs hatten der Regelung auf der jüngsten Versammlung zugestimmt, daher nimmt die DEL die Proteste gelassen. "Das ist nicht unsere Sache", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, "wir können keinen zwingen, bei der WM zu spielen." Ihn stört nur, dass die neue Regel falsch interpretiert werde. Keineswegs wolle die DEL die Anzahl deutscher Spieler über 23 Jahre drastisch beschränken. "Es gibt keine 14+4-Regel. Der Beschluss besagt, dass ich nur 18 Spieler über 23 Jahre einsetzen darf. Das können auch alles Deutsche sein." Außerdem hätten die meisten aktuellen Nationalspieler doch sowieso kein Problem mit dieser Regel. "Da protestieren jetzt doch nur ein paar ältere Spieler", sagt Tripcke, "die um ihre Erbhöfe fürchten."

Heinrich Schiffl sieht es anders. Der Spieler der Capitals hat mit seinen Teamkameraden Döhler und Pöttinger die Protestnote unterschrieben. "Die Regel ist hirnrissig", sagt Schiffl. Sollte die DEL ihren Beschluss nicht revidieren, dann würden die Unterzeichner des offenen Briefes über "andere Maßnahmen" nachdenken. "Notfalls ziehen wir vor das Arbeitsgericht", sagt Schiffl.

Nicht alle Nationalspieler sind indes Gegner der neuen Regel. Nico Pyka vom EHC Eisbären sieht küftig "mehr Chancen für junge deutsche Spieler". Allerdings habe er Verständnis für den Protest der Älteren. "Das Problem kann man natürlich auch von zwei Seiten sehen", sagt der 23-Jährige.

Laut Tripcke ist es übrigens durchaus möglich, dass die Neuregelung noch einmal neu geregelt wird: Vielleicht werden die Torhüter ausgespart.

0 Kommentare

Neuester Kommentar