Eishockey : Eine harte Probe

Nicht zur Dopingprobe erschienen zu sein, bezeichnet der Eishockey-Spieler Florian Busch als "saudummen Fehler". Der Deutsche Eishockey-Bund gerät derweil für sein mildes Urteil in dem Fall in die Kritik.

Katrin Schulze,Claus Vetter

BerlinFlorian Busch gibt gern die Frohnatur. Dann kann der Bayer mit dem ansteckenden Grinsen auch noch ganz gut Eishockeyspielen. Daher wohl haben sie ihn bei den Eisbären zu einem Star der Mannschaft aufbauen wollen. Jung, lustig, deutsch. Der „Buschi“, wie ihn die Fans rufen, hat das passende Profil für Erfolg bringende Kundenwerbung. Auf Plakaten entstieg der lachende Busch in voller Montur einem Kühlschrank. Überschrift: „Wir beißen wieder!“ – Busch, der Werbeträger, das hat sich nun wohl erledigt, seitdem bekannt wurde, dass der 23 Jahre alte Profi am 6. März eine Dopingprobe verweigert hat. Dieses Vergehen zieht laut Code der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada eine Sperre von zwei Jahren nach sich, weil ein verweigerter Test wie ein positiver zählt.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) sperrte Busch jedoch nicht. Das, wie es heißt, „für die Sanktionierung von Athletinnen und Athleten zuständige Disziplinarorgan des Deutschen Eishockey-Bundes“ belegte Busch am Dienstag mit 5000 Euro Strafe und 56 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Das fünfköpfige Gremium ließ Milde walten, weil Busch nicht gedopt gewesen sei. Der Eisbären-Profi hatte den Test zwar zunächst verweigert, sich dann aber wenig später bei der Nada gemeldet und den Test durch denselben Kontrolleur gut vier Stunden später nachgeholt.

Die Verantwortlichen bei den Eisbären halten sich zurück

Michael Pfuhl, Anti-Doping-Beauftragter des DEB und Mitglied des Gremiums, wollte sich gestern nicht äußern, weil er bei der U-18-WM in Russland ist. „Ich kann jetzt nicht, ich bin in Kasan“, sagte Pfuhl. Bislang scheint die Informationspolitik im Fall Busch beim DEB nicht ganz so flüssig zu laufen. Der Verband machte den Fall erst einen Monat nach dem Vorfall öffentlich und hat der Nada das Urteil bislang nicht weitergeleitet. „Ich bin erstaunt, dass ich selbst alles über die Medien erfahre“, sagte Nada- Sprecherin Ulrike Spitz dem Tagesspiegel gestern. „Erst wenn das Urteil bei uns auf dem Tisch liegt, können wir weitere Maßnahmen ergreifen – bisher ist das noch nicht der Fall.“ Die Nada hat zwar keine Entscheidungsgewalt – die liegt beim DEB –, aber sie kann den Fall der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und dem Bundesinnenministerium weiterleiten, das dem Verband schlimmstenfalls Fördermittel streichen könnte. Spitz sagte, dass die Nada alle Hebel in Bewegung setzen wird, „wenn das Strafmaß so weit vom Nada-Code entfernt liegt“.

Im Gegensatz zur Nada halten sich die Verantwortlichen bei den Eisbären im Fall Busch zurück. Manager Peter John Lee, dem Buschs Vergehen seit mehr als einem Monat bekannt war, weist die Verantwortung der Berliner von sich. „Es ist nicht unsere Aufgabe, mit dem Fall an die Öffentlichkeit zu gehen. Das ist Sache des DEB und der Nada“, sagt Lee. Sein Stürmer Stefan Ustorf findet, dass Busch ein „dummer Junge“ war, aber nicht wie ein Dopingsünder behandelt werden sollte. Und zwar, weil er sich über die Konsequenzen seines Handels nicht im Klaren gewesen sei, wie Busch selbst sagt. „Ich habe Riesenscheiß gebaut und möchte mich bei allen entschuldigen.“ Die Folgen seines „saudummen“ Fehlers beurteilt der Nationalspieler als „schlimm“.

Florian Busch hat wohl recht. Denn nach dem milden DEB-Urteil bleibt die Befürchtung, dass künftig Profisportler eine Dopingprobe verweigern und sich auf das Modell Busch berufen. Selbst in der DEL wird der Fall Busch argwöhnisch betrachtet. Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie, sagte: „Das ist nicht sehr professionell gelaufen. Ich glaube, der DEB ist sich noch nicht bewusst, was noch passieren wird.“

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