Eishockey : Eisbären siegen im Drama von Hohenschönhausen

In einem spektakulären Spiel im Sportforum gewinnen die Eisbären Berlin gegen Köln. Am Sonntag können sie nun Deutscher Meister werden. Ein noch dramatischeres Ende ist noch möglich, aber eigentlich kaum vorstellbar.

Claus Vetter
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Hart umkämpfte Partie im Wellblechpalast: Eisbären-Spieler Braun (r.) im Duell mit dem Kölner Torhüter Müller. -Foto:dpa

BerlinSven Felski, schoss, traf und siegte. So dachten alle. Aber dann ging das Match erst richtig los. Es waren noch drei Minuten zu spielen.

Eine schöne Geschichte wäre es gewesen, wenn gestern Abend ausgerechnet der Mann, der einst das Schlittschuhlaufen im Sportforum erlernt hat, das vielleicht letzte große Eishockeyspiel im Wellblechpalast entschieden hätte. Doch es kam anders, in drei aufregenden Schlussminuten: Nach dem Führungstreffer für die Eisbären durch Felski traf Köln noch in der letzten Minute zum Ausgleich – und die Eisbären durch Steve Walker doch noch zum Sieg. 31 Sekunden vor Schluss gelang dem Berliner Mannschaftskapitän das entscheidende Tor für die Berliner im dritten Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Nach ihrem 4:3 (2:0, 0:2, 2:1)-Sieg gegen die Kölner Haie führen die Eisbären nun in der Play-off-Serie mit 2:1 Siegen. Gewinnen die Eisbären auch am Sonntag in Köln, dann sind sie zum dritten Mal deutscher Meister; wenn nicht, gibt es am Dienstag ein letztes Entscheidungsspiel im Wellblechpalast.

Dramatisch hatte das Spiel gestern schon begonnen. Die Fans der Eisbären jubelten zunächst gleich zweimal. André Rankel brachte die Berliner in Führung, bei dem haltbar erscheinenden Flachschuss sah Robert Müller nicht gut aus. Der Puck rutschte dem Kölner Torwart durch die Schoner. Auch beim zweiten Berliner Treffer schien Robert Müller die Übersicht zu fehlen. Aus einem Spielerpulk vor dem Kölner Torwart trudelte die Scheibe ins Tor – vom Schläger des Kölner Verteidigers Andreas Renz. Da es beim Eishockey keine Eigentore gibt, durfte sich Constantin Braun bei den Berlinern als Torschütze feiern lassen.

Der Vorsprung aus dem ersten Drittel war durchaus verdient – auch weil Rob Zepp im Berliner Tor eine herausragende Leistung zeigte. Im zweiten Drittel aber passierte dann das: Nach einem Schuss von Mats Trygg wehrte Zepp den Puck unglücklich in die Mitte ab, Bryan Adams schlug ihn ins Berliner Tor. Es war das Signal für die Haie, dass doch etwas ging in Berlin. In der ersten Pause hatte ihr Stürmer Sebastian Furchner versprochen: „Wir werden ab jetzt nicht mehr nur den Berlinern zuschauen.“ So sah es aus, Köln handelte. Noch im Mittelabschnitt erzielte Stephane Julien mit einem Schuss unter die Torlatte das 2:2 für die Kölner.

Die Eisbären hatten „durch individuelle Fehler“, wie ihr Stürmer Constantin Braun zu Recht fand, die Kölner aufgebaut. Köln schien dem Siegtreffer sehr nahe – doch dann traf Felski drei Minuten vor Spielschluss zum 3:2 für die Eisbären und wurde fast zum Helden des Abends. Fast. Denn nun begann das Drama.

Köln nahm Schlussmann Müller zugunsten eines sechsten Feldspielers aus dem Tor. Prompt traf Julien zum Ausgleich – 46 Sekunden vor Schluss. Das reichte den Kölnern aber nicht zum Erreichen der Verlängerung. 31 Sekunden vor Ablauf der 60 Spielminuten gelang dem Berliner Mannschaftskapitän Steve Walker der Siegtreffer. Ein unglaubliches Finale eines unglaublichen Finalspiels, das in tosendem Jubel versank.

Das gestrige Spiel könnte das letzte im Sportforum gewesen sein. Es sei denn, die Berliner verlieren am Sonntag in Köln, dann würde der Abschied vom Wellblechpalast auf Dienstag vertagt. Ein noch dramatischeres Ende ist also noch möglich, aber eigentlich kaum noch vorstellbar. „Es war ein unglaubliches Spiel“, sagte Sven Felski gestern. „Und für die Zuschauer war es wahrscheinlich noch schlimmer als für uns auf dem Eis.“

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