Sport : Eishockey: Kein Mann für Ehrenrunden

Claus Vetter

Dem gelungenen Einstand an der Bande ließ Chris Valentine nach dem Spiel einen gewandten Auftritt in den Katakomben der Eissporthalle an der Jafféstraße folgen. Einen 3:1-Erfolg über den Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), die München Barons, hatte der neue Trainer der Capitals vorzuweisen. Verständlich, dass da dem Kanadier die Plauderei nicht schwer fiel. Der Auftritt des eloquenten Valentine hatte so gar nichts mit dem zu tun, was sein eher medienscheuer Vorgänger Michael Komma noch bis vor wenigen Tagen an gleicher Stelle zelebrierte.

Geduldig und humorvoll stellte sich Valentine den Fragen. Der Kanadier war gut gelaunt nach dem für ihn so erfreulichen Debüt: Gab es zu Spielbeginn vereinzelt Pfiffe, so feierten die Fans hinterher den Komma-Nachfolger. Der nahm die Ovationen mit Genugtuung zur Kenntnis, freilich nicht ohne seinen Anteil am Erfolg herunterzuspielen. Prinzipiell sei er kein Mann für Ehrenrunden, sagte Valentine. "Die Spieler sind die Hauptakteure." Und die hatten sich gegen München redlich gemüht. Einige, die bei Komma nicht im Rampenlicht standen, besonders. Werden unter Valentine Hierarchien aufgeweicht? "Namen zählen nicht", sagte der Kanadier, "wir haben hier keine Stars. Die spielen alle in der NHL."

Die nordamerikanische Profiliga NHL interessiert den Berliner Eishockey-Fan spätestens am Freitag nur am Rande, denn dann steht in Hohenschönhausen das Derby auf dem Programm. Vorfreude auf die Eisbären oder Angst vor dem Fragenbombardement bezüglich des besten Freundes, des EHC-Managers Peter John Lee? "Am Freitag spielen nicht Valentine und Lee gegeneinander, sondern die Capitals gegen die Eisbären." Überhaupt, sagte Valentine, es sei ihm doch wohl vergönnt, sich erst einmal über den Sieg gegen München zu freuen.

Zumal der Erfolg gegen den Meister nicht selbstverständlich war. Die Selbstverständlichkeit, mit der am Dienstag bei den Capitals zur Tagesordnung übergegangen wurde, überraschte indes mehr. Vor einer Woche war Valentine-Vorgänger Komma nach Querelen mit dem Management beurlaubt worden. Davon war vor und nach dem Spiel gegen München wenig zu spüren. Und dann doch, am späten Abend meldete sich ein Verantwortlicher zum Thema Trainerentlassung. "Niemand wurde hier weggemobbt", sagte Roger Wittmann. Dem Ex-Manager der Capitals war bewusst, dass sich die Berliner mit der abrupten Demission Kommas nicht nur Freunde gemacht haben. Er wolle doch nur, sagte Wittmann, dass bei den Capitals hart und ehrlich gearbeitet werde.

Das Abgleiten ins Pathetische nach einem für die Berliner gelungenen Abend sei Wittmann gestattet. Derlei ist in solchen Momenten im Sport unabwendbar. Hätte Valentines Debüt mit einer Niederlage geendet, wären Klagen über den Rausschmiss von Komma genauso unvermeidlich gewesen. Und sollte Valentine künftig ähnlich erfolgreich sein wie sein Vorgänger, dann ist der Name Michael Komma bald nur noch in den Klubannalen der Capitals zu finden. So schnelllebig ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt nun mal - wenn man Erfolg hat. Da können sämtliche hart arbeitenden Herren in der Führungsriege der Capitals beruhigt sein.

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