Eisig Union : Schippen für das Montagsspiel

Die Fans des 1. FC Union befreien am Sonntag das Stadion von den Schneemassen, damit das Spiel am Montagabend gegen den KSC doch noch stattfinden kann.

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An die Schaufel, fertig, los. Ab 8 Uhr bittet Union am Sonntag zur Freiwilligenarbeit in die Alte Försterei.
An die Schaufel, fertig, los. Ab 8 Uhr bittet Union am Sonntag zur Freiwilligenarbeit in die Alte Försterei.Foto: Matthias Kern

Berlin - Wieder mal muss es die Basis richten. Beim 1. FC Union hat es ja schon Tradition, dass die Fans anpacken. So war es zuletzt bei der Sanierung des Stadions, und so ist es auch am heutigen Sonntag. Weil die Deutsche Fußball-Liga (DFL) entschieden hat, das Montagsspiel des Berliner Fußball-Zweitligisten gegen den Karlsruher SC (20.15 Uhr, Alte Försterei, live bei Sport 1) wie geplant stattfinden zu lassen, hat der Klub seine Anhänger aufgerufen, die Alte Försterei von Eis und Schnee zu befreien. „Wir haben schon vieles geschafft, dann schlagen wir nun eben den Winter in die Flucht“, sagte Unions Präsident Dirk Zingler nach Bekanntgabe der Entscheidung.

Ab 8 Uhr soll am vierten Advent in Berlin-Köpenick geschippt, geschaufelt und gefegt werden. Mit ein paar Hundert Freiwilligen rechnet der Klub – und lockt mit einer großzügigen Belohnung. Jeder Helfer erhält für das Spiel am Montagabend eine Freikarte, darüber hinaus stellen die Köpenicker Essen und heiße Getränke zur Verfügung. Sylvia Weisheit sagt, es sei für alles gesorgt. Und: „Wir Unioner werden diesen vierten Advent zu einem ganz besonderen Fest machen.“ Weisheit muss es wissen: Sie koordinierte bereits den Stadionbau und ist auch am Sonntag für die Einteilung der verschiedenen Arbeitstrupps sowie die Versorgung verantwortlich. Auf dem Verköstigungsplan stehen Gulaschsuppe, Glühwein, heiße Schokolade und Tee.

Dieses Sortiment erinnert verdächtig an die gemeinschaftliche Sanierung der Alten Försterei, an der insgesamt über 2000 Fans beteiligt waren. Und auch die für heute angesagte Räumungsaktion kommt einem bekannt vor. Im Februar 2001 war es, als zahlreiche Unioner den Rasen im Stadion für das DFB-Pokal-Halbfinalspiel gegen Borussia Mönchengladbach frei räumten. Diesen Job übernimmt die inzwischen installierte Rasenheizung nun weitgehend, die Helfer werden allerdings trotzdem noch gebraucht. Diesmal sollen sie in erster Linie die Wege, Treppen und Traversen schnee- und eisfrei machen.

Es ist wieder mal eine logistische Herausforderung, die der 1. FC Union zu bewältigen hat – und zwar binnen kürzester Zeit. Präsident Dirk Zingler sagt, dass „wir kurzfristig alles versuchen werden, was möglich ist“. Auszuschließen ist dennoch nicht, dass es bei dem Versuch bleibt und es noch zu einer kurzfristigen Absage des Spiels kommt, immerhin sind für die Nacht von Sonntag auf Montag wieder Schneefälle vorausgesagt. Und schon jetzt sind die Zugänge durch das Tauwetter der vergangenen Woche und die Schneemassen vom Freitag fast unbegehbar.

Nicht von ungefähr zeigte sich die Köpenicker Vereinsführung ziemlich überrascht, dass die von Union einberufene Stadionkommission am Samstagmorgen überhaupt für eine Austragung der Begegnung plädiert hat – vieles deutete eher auf eine Absage der Partie hin. Doch die etwa eine Stunde andauernde Wanderung über das Gelände an der Alten Försterei muss den Vertreter der DFL, einen Schiedsrichter und einen Mitarbeiter der Stadionbetriebsgesellschaft von der Durchführbarkeit eines Fußballspiels überzeugt haben.

Obwohl Union eine Absage des letzten Hinrundenspiels der Zweiten Liga angesichts zahlreicher Verletzungssorgen wohl entgegengekommen wäre, hält Uwe Neuhaus die „Beibehaltung des normalen Rhythmus“ für in Ordnung. „Wir haben schon oft bewiesen, dass wir mit schwierigen Situationen umgehen können“, sagte der Köpenicker Trainer. In dieser Hinsicht ist die Mannschaft des 1. FC Union ihren Anhängern sehr ähnlich.

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