Update

Eiskunstlauf : Aljona Savchenko kann Trainer Ingo Steuer nicht finanzieren

Aljona Savchenko hat Trainer Ingo Steuer laut dessen Aussage nicht gefeuert, sondern ihm angeboten, sie kostenlos zu trainieren, da die Finanzierung derzeit unklar ist - mal wieder.

Unterstützung an der Bande: Mit Ingo Steuer als Trainer wurde Aljona Savchenko fünf Mal Paarlaufweltmeisterin.
Unterstützung an der Bande: Mit Ingo Steuer als Trainer wurde Aljona Savchenko fünf Mal Paarlaufweltmeisterin.Foto: dpa

Über das mögliche Ende der Zusammenarbeit zwischen Ingo Steuer und Aljona Savchenko ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Aljona hat mich nicht gefeuert. Ich stehe zur Verfügung, wenn ich bezahlt werde“, sagte der Eislauf-Trainer am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. „Ich habe seit April ohne Geld gearbeitet, die Flüge und die Unterkunft für den USA-Aufenthalt bezahlt. Aber ohne Bezahlung kann ich nicht arbeiten. Da ist die
Trennung vorprogrammiert“, sagte Steuer am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Noch seien die Brücken aber nicht abgebrochen. Ingo Steuer betreut Aljona Savchenko bereits seit elf Jahren.

Zuvor hatte die „Bild“ Steuer so zitiert: "Aljona sagte mir, sie habe kein Vertrauen mehr zu mir und wörtlich: "Du bist nicht mehr unser Trainer."" Dabei gehe es vor allem um die Finanzierung: Steuer darf bislang aufgrund seiner früheren Stasi-Vergangenheit nicht vom deutschen Verband bezahlt werden. Bei den Winterspielen in Vancouver 2010 wurde Ingo Steuer jedoch über die Hintertür mit öffentlichen Mitteln unterstützt.

„Aljona sagte, die Deutsche Eislauf-Union könne mich nicht zahlen, und ich sei ihr zu teuer. Ich könne sie aber umsonst trainieren. Das werde ich natürlich nicht tun“, sagte Steuer, der mit Aljona Savchenko/Robin Szolkowy fünf WM-Titel und zweimal Olympia-Bronze holte. Savchenko bestätigte der dpa, dass die erneut unklare Finanzierung der Knackpunkt sei, widersprach aber dieser Aussage. „Wir wollen mit Ingo Steuer trainieren, haben aber jetzt kein Geld“, stellte sie klar.

„Stand heute können wir Ingo Steuer nicht finanzieren, weil es vom Bundesministerium des Innern (BMI) kein grünes Licht gibt“, sagte Elke Treitz, Vizepräsidentin der Deutschen Eislauf-Union (DEU), am Mittwoch. Die sogenannte Steiner-Kommission hat dem BMI empfohlen, den 25-jährigen Finanzierungsstopp wegen Steuers früherer Stasi-Mitarbeit zu beenden. „Es sollte ein Gespräch zwischen DEU und BMI geben. Das hat bis heute nicht stattgefunden“, betonte Treitz.

Steuer war am vergangenen Samstag aus den USA zurückgekehrt und hatte sich beim deutschen Verband nach der Finanzierung erkundigt. Treitz: „Wir mussten ihm sagen, dass wir ihn noch nicht bezahlen können.“ Die einzige Möglichkeit derzeit sei, dass Savchenko und ihr neuer Eislaufpartner, der Franzose Bruno Massot, für Steuer aufkommen. „Ich kann verstehen, dass Ingo Steuer sagt: Umsonst arbeite ich nicht“, sagte die DEU-Vizepräsidentin, die Steuers Erfolge im Eislaufsport mit denen von Franz Beckenbauer im Fußball verglich.

Als Problem kommt hinzu, dass die 30-jährige Savchenko und ihr neuer Partner künftig mit einem Team von mehreren Trainern arbeiten möchten. Diese Idee habe Steuer nicht positiv aufgenommen, berichtete Savchenko. Der bisher alleinverantwortliche Coach ist verstimmt darüber, in diese Pläne nicht eingeweiht worden zu sein. Er habe aus den Medien davon erfahren. „Ich habe kein Vertrauen, wenn ich solche Dinge in der Zeitung lese. Das ist keine Basis für eine Zusammenarbeit“, kommentierte Steuer.

Aljona Savchenko gab am Montag bekannt, dass sie weiter für Deutschland antreten wird

Nach dpa-Informationen will das Eislauf-Duo den Kanadier Bruno Marcotte und Massots bisherigen französischen Coach Jean-Francois Ballester in die Zusammenarbeit einbinden. Eine derartige Kooperation müsse „gut koordiniert werden, um zum Erfolg zu führen“, mahnte Steuer. „Und einer muss den Hut aufhaben.“ Savchenko/Massot hatten am Montag bekanntgegeben, für Deutschland antreten zu wollen. Der Franzose war dafür vom französischen zum deutschen Verband gewechselt. Nach dem Karriereende ihres Partners Robin Szolkowy, der mittlerweile als Nachwuchstrainer in Russland arbeitet, wurde darüber spekuliert, ob Savchenko zukünftig für eine andere Nation startet.. Trotz der Probleme strebt das Duo eine einvernehmliche Lösung und Savchenko die Fortsetzung der Kooperation mit Steuer an: „Wir trainieren jetzt erst einmal alleine und schauen, wie es weitergeht. Wir hoffen auf eine Lösung“, betonte sie. (dpa)

Folgen Sie der Tagesspiegel-Sportredaktion auf Twitter:

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben