Eisschnelllauf : Rückkehr eines Idols

Sven Kramer ist der größte Eisschnelllauf-Star in den Niederlanden – seine verletzungsbedinte Pause galt fast als Drama. Seit Oktober 2011 läuft er wieder - und am Wochenende war er im Sportforum Berlin zu bestaunen.

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Wieder in der Erfolgsspur. Sven Kramer dominierte in Berlin.
Wieder in der Erfolgsspur. Sven Kramer dominierte in Berlin.Foto: rtr

Berlin - Sven Kramer hatte den Teller als Auszeichnung erhalten, für Platz zwei im Gesamtklassement des Langstrecken-Weltcups im Eisschnelllauf. Er hatte also etwas Würdevolles, dieser Teller, aber auf dem Podest zwinkerte Kramer einem Betreuer seines Teams zu, hielt den Teller wie eine Frisbeescheibe und deutete einen Wurf an. Gelächter im Sportforum Berlin.

Kramer ist also gut drauf, obwohl er nur Zweiter wurde. Das ist er nicht gewöhnt, er ist Olympiasieger, er wurde in dieser Saison schon Allround-Europa- und -Weltmeister, aber er hatte ja auch nicht alle Weltcups mitgemacht. Doch jetzt, beim Weltcup-Finale, hatte er über 5000 Meter, eine seiner Paradestrecken, wieder alle in Grund und Boden gefahren und natürlich den Lauf gewonnen. „Mein bestes Saisonrennen“, sagte Kramer.

Und in den Niederlanden sind die Fans jetzt aus dem Häuschen. Sven Kramer ist wieder da, er ist wieder der Alte.

Vor einem Jahr war er weg, eine hartnäckige Nervenentzündung im Oberschenkel hatte ihn gestoppt, 15 Monate konnte er keinen Wettkampf bestreiten. 15 Monate lang einte die niederländischen Fans ein großer Wunsch: Sven Kramer möge wieder starten. Der 25-Jährige ist der populärste Eisschnellläufer des Landes, Olympiasieger, vielfacher Weltmeister, einer der erfolgreichsten Läufer der Eisschnelllauf-Geschichte. Die Niederländer haben im Sport wenig Siegertypen, Kramer erfüllt ihre Sehnsüchte nach einem sportlichen Star.

Sie haben natürlich noch andere Weltklasse-Läufer, aber Kramer ist ein bodenständiger Mann, er wirkt immer noch wie ein großes, glückliches Kind. Er gibt nicht die Diva, sondern stand am Samstagabend in Berlin an der Hotelbar, plauderte mit seinen Fans und unterschrieb auf ihren Autogrammkarten. Diese Mischung macht ihn so einzigartig. Und dass sein Trainer Gerard Kemkers ihn bei den Olympischen Spielen 2010 durch einen Fehler fatalerweise auf die falsche Bahn geschickt und damit Kramers sicheren Sieg über 10 000 Meter verhindert hatte, verstärkte nur noch den Mythos um ihn. „Mein Herz weint“, stöhnte Kronprinz Willem Alexander damals.

Als Kramer beim Weltcup in Heerenveen verletzt fehlte, saßen 5000 Fans in der Halle, als er in dieser Saison wieder antrat, war sie mit 7000 Fans ausverkauft. Sein Comeback, im Oktober 2011 in Heerenveen, war ein Spektakel; Kramer wohnt in Heerenveen. Er verdient bei einem Privatteam rund eine Million Euro pro Jahr, aber er lebt in Heerenveen ohne Allüren, ohne protziges Auto.

Und in Heerenveen findet in zwei Wochen auch die Einzelstrecken-WM statt. Bei seinem Heimspiel will Kramer natürlich den Titel über 5000 Meter, und in der Form von Berlin wird ihn auch niemand besiegen. Auch nicht Bob de Jong, sein nationaler Rivale, der Mann, der im Sportforum über 5000 Meter Platz zwei belegte. Er ist ein großer Läufer, aber die Lücke, die Kramer 15 Monate lang gerissen hatte, die hatte er nicht füllen können. Der Star blieb Kramer.

Und doch hatte de Jong in Berlin das Idol aus Heerenveen überragt. Auf dem Podium, auf dem Kramer Frisbee spielen wollte, da stand er ganz oben als Gesamt-Weltcupsieger. Aber er konnte keinen Wurf andeuten, es hätte albern ausgesehen. Ihm hatte man einen Pokal in die Hände gedrückt.

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