Sport : Eisschnelllauf: Wie eine rasante Fahrt gegen den Baum

Nach den schweren Stürzen von Anni Friesinger aus Inzell und dem Holländer Mark Tuitert bei der EM in Baselga herrscht Verunsicherung unter den Top-Eisschnellläufern. "Muss es erst Tote geben, bevor der Verband reagiert und mehr für die Sicherheit tut?" Mit dieser Frage macht der schwedische Sprinter Magnus Enfeldt den Eislauf-Weltverband in einem Brief auf Sicherheitsrisiken aufmerksam. Der Sprecher der Sportler reagiert vor der Sprint-WM am Wochenende in Inzell auf die Sturzserie, die durch Rintje Ritsma bei den holländischen Meisterschaften und Sabine Völker beim Training in Berlin eingeleitet worden war.

"Die Standards für die Banden sind nicht mehr zeitgemäß", sagt Enfeldt, der Ehemann der Sprint-Weltmeisterin Monique Garbrecht aus Berlin. In Baselga hatte man die Standards mit zehn Zentimeter dicken Kunststoffbanden gerade erfüllt, doch bei mehreren Stürzen in den Kurven drückten Athleten schon im Training die Matten durch die dahinter liegenden Drahtseil-Halterungen und gefährdeten ihre Gesundheit.

Grund für größere Risiken ist das hohe Tempo, das die Athleten auf Grund der neuen Technik mit dem Klappschlittschuh erreichen. Experten meinen, dass der Aufprall eines Läufers mit 40 Stundenkilometern auf die Bande dem eines Autos entspricht, das mit 80 Stundenkilometern an einen Baum rast. Die Spitzengeschwindigkeiten im 500-m-Sprint der Herren liegen durch Klappschuh, windschlüpfrige Anzüge und gesteigerte Athletik bei 52 Stundenkilometern.

Längst hat die Wirtschaft darauf reagiert und entsprechende Sicherheitsbanden produziert. Doch als Leihgebühr für die Dauer eines Wettkampfes verlangt die friesische Firma Sidijk mehr als 20 000 Mark. "Solche Summen können wir nicht jedem Weltcup-Ausrichter zumuten", meinte Weltverbands-Vizepräsident Gerd Zimmermann. Ausgehend von den schweren Verletzungen, die sich Friesinger und Völker zugezogen hatten - beide müssen nach Gehirnerschütterungen und Prellungen auf den WM-Start verzichten - haben die Organisatoren in Inzell reagiert und 40 Zentimeter dicke Banden geordert. "Wir wollen die Sportler beruhigen und hoffen schon allein auf eine psychologische Wirkung", so Zimmermann.

Magnus Enfeldt ist erst einmal zufrieden. Die prall mit Luft gefüllten Kunststoffbanden liegen mit einer Höhe von einem Meter sogar 20 Zentimeter über dem Mindeststandard. "Es ist nur schade, dass man immer wieder bei Null anfangen muss, wenn man etwas im Sinne der Athleten durchsetzen will."

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