Sport : Elefant und Mücke

Andreas Neuendorfs Gespräche mit Mainz 05 lösen einen Streit zwischen dem Klub und Hertha aus

Ingo Schmidt-Tychsen,Christian Tretbar

Berlin - Alles begann mit einem vorweihnachtlichen Kaffeekränzchen bei Familie Klopp in Mainz. Andreas Neuendorf aus Berlin war zu Gast, von Beruf Profifußballer beim Bundesligisten Hertha BSC und bis zum Ende der Saison dort unter Vertrag. Der Mainzer Trainer Jürgen Klopp fungierte gemeinsam mit seiner Frau als Gastgeber, Neuendorfs Berater Thorsten Weck und Christian Heidel, Manager des FSV Mainz 05, waren auch da. Allerhand Nettigkeiten wurden ausgetauscht. Bei aller Gemütlichkeit dürfte der Anlass des Treffens allerdings ein konkreter gewesen sein: ein möglicher Wechsel Andreas Neuendorfs nach Mainz.

Ein Kaffeekränzchen mit diesem Zweck war zum damaligen Zeitpunkt, im Dezember 2006, nach Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nicht zulässig – oder Mainz hätte Hertha BSC vorher informieren müssen. Der Berliner Manager Dieter Hoeneß bemängelte das Ausbleiben eben dieser Anfrage. „Das ist schon ziemlich seltsam. Der Mainzer Vorsitzende Harald Strutz sitzt doch im Ligaausschuss – da müssten die Statuten doch bekannt sein“, sagte Hoeneß gestern. Manager Heidel wollte diese Kritik nicht auf sich sitzen lassen. Dem Tagesspiegel sagte er: „Da macht der Hoeneß aus einer Mücke schon wieder einen Elefanten, ich weiß nicht, was er gegen uns Mainzer hat.“ Heidel sagt, „dass wir Neuendorf momentan gar nicht verpflichten wollen. Dieter Hoeneß hat Neuendorf damit beauftragt, sich einen neuen Verein zu suchen“. Hoeneß bestritt das auf Nachfrage heftig: „Das ist gelogen. Wenn Neuendorf seine Leistungen stabilisiert, wollen wir den Vertrag mit ihm sogar verlängern. Ich würde Zecke doch nicht bitten, sich einen neuen Verein zu suchen und dann die Mainzer dafür beschuldigen.“ Hoeneß glaubt, dass Mainz 05 seinen Verstoß gegen die Lizenzordnung der DFL herunterspielen will. „Da wird eher aus einem Elefanten eine Mücke gemacht.“

In der Lizenzordnung der DFL heißt es in Paragraf fünf: „Vereine oder Kapitalgesellschaften, die einen Spieler verpflichten wollen, der noch bei einem anderen Verein oder einer Kapitalgesellschaft unter Vertrag steht, müssen den Verein oder die Kapitalgesellschaft vor der Aufnahme von Vertragsverhandlungen schriftlich darüber informieren.“ Das Strafmaß für dieses Vergehen reicht von einem Verweis bis zu 250 000 Euro Geldstrafe. „Neuendorf hat von sich aus Kontakt zu unserem Trainer Jürgen Klopp aufgenommen. Warum also sollten wir Hertha BSC informieren?“, fragt Heidel. Neuendorf selbst sagt, dass „von mir gar nichts ausgegangen ist“. Zu einer rechtlichen Auseinandersetzung kommt es wahrscheinlich trotzdem nicht, weil Mainz Neuendorf wohl nicht verpflichten wird. „Wir suchen zwar einen zentralen offensiven Mittelfeldspieler. Aber Neuendorf ist nicht unser Wunschkandidat und das haben wir ihm auch klar zu verstehen gegeben“, sagt Heidel. Hoeneß habe in den vergangenen Tagen bei Neuendorf immer wieder nachgefragt, ob die Mainzer sich endlich gemeldet hätten, erzählte Heidel. Hoeneß bestreitet das vehement - er habe gar keinen Kontakt zu Neuendorf gehabt.

Der gebürtige Berliner Neuendorf wird aller Wahrscheinlichkeit nach in Berlin bleiben. Nur das Verhältnis zwischen den Bundesligisten Mainz 05 und Hertha BSC hat sich verschlechtert. Allein durch ein vorweihnachtliches Kaffeekränzchen.

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