EM in Serbien : Pascal Hens soll deutsche Handballer anführen

Wie die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Serbien abschneidet, hängt maßgeblich von Kapitän Pascal Hens ab.

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Kapitän mit Überblick. Pascal Hens führt die Deutschen bei der EM aufs Feld. Für den 31-Jährigen vom HSV Hamburg könnte es das letzte große Turnier sein. Foto: dpa
Kapitän mit Überblick. Pascal Hens führt die Deutschen bei der EM aufs Feld. Für den 31-Jährigen vom HSV Hamburg könnte es das...Foto: dpa

Berlin - Pascal Hens weiß genau, was der deutsche Handball-Fan dieser Tage von ihm erwartet. „Ich bin der Kapitän, ich muss vorweg gehen. Das ist meine Aufgabe“, sagt der 31-Jährige. Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass sich der 2,03-Meter-Hüne in die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) gespielt hat, bei der EM 2002 in Schweden etablierte er sich im Team des damaligen Silbermedaillengewinners. Seither hat Hens national wie international große Titel gewonnen, beim WM-Sieg der Deutschen 2007 im eigenen Land zählte der Hamburger zu den Leistungsträgern. Vor dem heutigen EM-Auftaktspiel der DHB-Auswahl gegen Tschechien (17.20 Uhr, live im ZDF) ist Hens neben Carsten Lichtlein, Lars Kaufmann, Holger Glandorf, Dominik Klein und Oliver Roggisch einer von nur sechs Akteuren, die bereits vor vier Jahren im Kader standen – und neben Roggisch der mit der größten Erfahrung.

So erklärt sich auch die Erwartungshaltung, die auf dem neuen Kapitän lastet. „Von Pascal Hens wird vieles abhängen“, sagt der 218-malige Nationalspieler und heute als TV-Experte aktive Stefan Kretzschmar. In der neu zusammengestellten Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger gilt Hens als einer der wenigen Führungsspieler. Der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan hatte erst kürzlich in einem Interview mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ den Mangel an Persönlichkeiten im DHB-Team kritisiert. „Es fehlen prägende Typen, an denen sich die Mitspieler orientieren können“, sagte Stephan. Hens kann so ein Typ sein. Mit seiner körperlichen Präsenz und seinem ungeheuren Wurf ist der halblinke Rückraumspieler prädestiniert für so genannte einfache Tore, die die Mannschaft brauchen wird: Anlauf nehmen, hochsteigen, abschließen. Für den Mann mit dem Irokesenschnitt könnte das Turnier in Serbien allerdings sein letztes sein. „Wenn wir es nicht schaffen sollten, uns für die Olympischen Spiele in London zu qualifizieren, wird mein Körper erstmal Ruhe brauchen“, sagt der 193-malige Nationalspieler.

Die Vorrundengruppe stellt die Deutschen vor keine unlösbaren Aufgaben. „Wenn es gut läuft, kann die Mannschaft auch ohne Verlustpunkt in die Hauptrunde gehen“, sagt Stefan Kretzschmar. Mazedonien fällt in die Kategorie Pflichtsieg, die Tschechen um Superstar Filip Jicha (THW Kiel) „sind ebenfalls zu schlagen“, sagt Kretzschmar. Härtester Konkurrent um den Gruppensieg sollten allerdings die Schweden sein, die nach Jahren in der sportlichen Bedeutungslosigkeit 2011 zum ersten Mal seit beinahe einem Jahrzehnt wieder ein WM-Halbfinale erreicht haben.

Ein weiterer Fakt, der durchaus Mut macht: Wenn Martin Heubergers Mannschaft die Vorrunde übersteht, kann sie in der Hauptrunde nicht auf die favorisierten Mannschaften aus Spanien und Frankreich treffen, sondern schlimmstenfalls auf Gastgeber Serbien, den WM-Zweiten Dänemark und Polen.

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