Sport : Emotionen aus Amerika

Luke Whitehead will mit Alba Berlin fast Unmögliches schaffen: den Einzug ins Uleb-Cup-Achtelfinale

Helen Ruwald

Berlin - Sehr beeindruckt war Luke Whitehead wohl nicht vom Engagement seines älteren Bruders Pax als Basketballprofi in Europa. Er selbst spielte zu dieser Zeit an der Oak Hill Highschool in West Virginia, einer der besten Adressen für Basketballtalente, und später unter dem renommierten Trainer Rick Pitino an der University of Louisville in Kentucky. Er hatte College-Basketball und die NBA im Blick, nicht Europa. In Frankreich und Italien habe sein sieben Jahre älterer Bruder damals gespielt, sagt Whitehead. Welche Ligen? Welche Städte? Welche Klubs? Der 24-Jährige muss passen, aber zumindest profitiert er mit jahrelanger Verspätung von Pax’ Europa-Aufenthalt: Im Gegensatz zu ihm selbst „kannte mein Bruder Alba Berlin“ und konnte vom guten Renommee des Bundesliga-Tabellenführers erzählen.

Mitte Dezember unterschrieb der vereinslose Flügelspieler bei den Berlinern einen Vertrag bis Saisonende. Eine relativ lange Laufzeit für Whitehead, der anderes gewohnt war. Nach einem Jahr in der ABA-Liga bei den Kentucky Colonels holten ihn 2005 die Daegu Orions aus Südkorea für sieben Spiele in zwei Wochen. Im Sommer folgten nach Trainingseinheiten mit verschiedenen NBA-Teams drei Spiele auf den Philippinen für die Santa Lucia Realtors, im Herbst acht Einsätze (19,4 Punkte im Schnitt) für die Seoul Knights. In Manila habe er zwei der drei Spiele gewonnen, „und im Schnitt 30 Punkte gemacht und 15 Rebounds geholt“. Trotzdem musste er gehen, ein anderer Spielertyp sei gefragt gewesen. „Mit dem Neuen haben sie sechsmal in Folge verloren“, sagt der US-Amerikaner und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. In Asien lockte das Geld, in Berlin die sportliche Herausforderung. „Platz zwei reicht nicht, Alba muss um den Titel spielen“, weiß er. Die Integration ist einfach, er braucht weder einen Dolmetscher beim Training noch einen Chauffeur wie in Korea, und es laufen sogar englische Kinofilme. „King Kong“ hat er schon angesehen. „Gott weist jedem Menschen einen Weg. Dieser Weg ist viel besser für mich“, sagt Whitehead über den Wechsel nach Deutschland.

Bei Alba trägt er die Rückennummer 24. Die hat er auch in Louisville gehabt, so wie vor 40 Jahren sein Vater. Eddie Whitehead war 1963 einer der ersten drei Afroamerikaner überhaupt, die es ins Basketballteam der Cardinals schafften. Vorher war dies Weißen vorbehalten. Auf diese Leistung seines Vaters, der auch sein erster Trainer war, ist Luke Whitehead besonders stolz. Ihm eiferte er nach und entschied sich für dieselbe Universität, an der er einen Abschluss in Kommunikationswissenschaft machte.

Whitehead wurde nach dem schweren Unfall von Kapitän Matej Mamic verpflichtet. „Er ist nicht mit Matej zu vergleichen“, sagt Albas Trainer Henrik Rödl, „das war aber auch nicht zu erwarten.“ Schließlich hat der 30-jährige Mamic viel mehr Erfahrung. Bei AWhitehead in vier Spielen im Schnitt 4,5 Punkte und holte 5 Rebounds. Ansatzweise zeigte er, wie bissig er in der Verteidigung sein kann. „Luke ist ein sehr guter Rebounder, der im Angriff noch zulegen wird. Er wird ein wichtiger Teil des Teams“, sagt Rödl, der Whitehead als „extrem positiv, sehr emotional und enthusiastisch“ beschreibt. Vielleicht hat das jahrelange Training unter Rick Pitino Spuren hinterlassen: Der ist auch Bestseller-Autor und Management-Coach. In „Success is a choice“ vermittelt er in einem 10-Punkte-Programm, wie eigentlich Undenkbares doch wahr wird. Positives Denken brauchen die Berliner heute, wenn sie ohne den verletzten Martynas Mazeika im Uleb-Cup gegen Estudiantes Madrid (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) noch an den Einzug ins Achtelfinale glauben wollen. Whitehead hat Pitinos Lektion verinnerlicht: „Manchmal passieren verrückte Dinge.“

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