Sport : Ende einer Chefsache

DFB-Chef darf nicht allein den Bundestrainer suchen

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Vor der Tür ein Bild kollektiver Eintracht: Elf Männer Arm in Arm, die Gesichter glücklich. „50 Jahre Wunder von Bern“, steht auf einem Plakat vor der Zentrale des Deutschen FußballBundes (DFB) in Frankfurt am Main. Hinter der Tür herrschte kollektive Zwietracht. Auf einer Sondersitzung des DFB-Präsidiums stritten am Montagabend stundenlang elf Männer über die Führungskrise des Verbandes und die Zukunft des Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder. Der war wegen der misslungenen Trainersuche für die Nationalmannschaft in die Kritik geraten. Bis tief in die Nacht saßen die Funktionäre zusammen, und alles, was bis 23 Uhr nach außen drang, war die Nachricht, dass Mayer-Vorfelder zukünftig den Bundestrainer nicht mehr alleine suchen darf. Drei Funktionäre werden ihm dafür zur Seite gestellt. Damit ist zugleich klar, dass es einen Führungswechsel an der DFB-Spitze vorerst nicht geben wird.

Vor einigen Tagen hatte Mayer-Vorfelder die Suche noch zur Chefsache erklärt, dann aber keinen Trainer gefunden. Nach der Absage von Wunschkandidat Ottmar Hitzfeld wurde der neue Europameisters Otto Rehhagel zum Favoriten erkoren. Machtlos reagierten die Beteiligten in Frankfurt am Main deshalb auf die Nachricht, dass der griechische Verband auf ein Engagement Rehhagels bis 2008 bestehen soll. „Von den Griechen war leider niemand zu erreichen“, sagte DFB- Sprecher Harald Stenger dazu.

Die Trainerfrage ist weiter völlig offen, eine Reaktivierung des zurückgetretenen Rudi Völler als Teammanager gilt als unsicher. Mayer-Vorfelder versuchte bereits, die Tür für einen ausländischen Trainer zu öffnen: „Wenn man keinen geeigneten Deutschen findet, muss man über die Grenzen hinwegsehen.“ Entscheiden kann der Präsident das nicht mehr. In die neue Trainerkommission wurden neben ihn DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, der Organisationschef der WM 2006 Franz Beckenbauer sowie Liga-Chef Werner Hackmann berufen.

Vor dem Treffen hatte sich Mayer-Vorfelder noch kämpferisch gegeben. „Ich habe nichts verbrochen“, sagte der 71 Jahre alte Funktionär. „Ich habe ein reines Gewissen.“ Genau das hatten viele Verantwortliche zuletzt bezweifelt. DFB-Vize Engelbert Nelle hatte gar mit einer Abwahl Mayer-Vorfelders im Oktober gedroht und Schatzmeister Theo Zwanziger als neuen Präsidenten ins Gespräch gebracht. Erzürnt hatte die Funktionäre die selbstherrliche Amtsführung Mayer-Vorfelders. So soll er bei einem Spiel der Fußball-EM die Sitzordnung der Vip-Tribüne von sich aus geändert haben, um seine Vertrauten dort unterzubringen. Am Montagabend musste sich Mayer-Vorfelder auch für seinen eigenmächtig agierenden Assistenten Jan Lengerke rechtfertigen. Ein Rauswurf seines Vertrauten durch den DFB galt vor der Sitzung unter Insidern als wahrscheinlich.

In einer langen Nacht drohte dem Präsidenten, der sich sonst gern mit Siegern umgibt, eine Niederlage.

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