Sport : Ende eines Fluches

Viermal scheiterte Holland im Elfmeterschießen, beim 5:4 im Viertelfinale über Schweden ist alles anders

Sven Goldmann[Faro]

Mit dem Elfmeterschießen ging es den holländischen Fußballspielern in der Vergangenheit so wie den Engländern: Sie können es nicht. Viermal traten sie seit 1992 in einem wichtigen Turnier im Elfmeterschießen an, immer haben sie es verloren. Gestern im Viertelfinalspiel gegen Schweden mussten sie wieder diese ungeliebte Übung absolvieren. Nach 120 Spielminuten hatte es 0:0 gestanden, wieder entschied ein Elfmeterschießen. Darin schoss der Schwede Zlatan Ibrahimovic über das Tor, der Holländer Phillip Cocu traf nur den Pfosten. Dann aber hielt Hollands Torwart Edwin van der Sar den Olof Mellbergs Schuss. Und Arjen Robben lief an – und traf. 5:4 siegte Holland nach Elfmeterschießen, die böse Serie ist gebrochen. Am Mittwoch treffen die Holländer im Halbfinale auf den Gastgeber Portugal.

Das gestrige Viertelfinalspiel bildete eine weitere besondere Marke für den holländischen Trainer Dick Advocaat. Es war seine 54. Partie als Bondscoach, womit er Rinus Michels als holländischen Rekordtrainer überholt hat. Vor vier Tagen hatte es noch nicht danach ausgesehen, als würde Advocaat dieses Kunststück gelingen. Doch die 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien hatte den Holländern den Einzug in das Viertelfinale ermöglicht und damit die Kritik an Dick Advocaat verstummen lassen.

So stand der neue holländische Rekordtrainer bei 35 Grad in Faro an der Seitenlinie. Womöglich war diese Hitze auch der Grund, warum beide Teams, die in der Vorrunde noch so ansehnlichen Offensivfußball geboten hatten, so verhalten spielten. Immerhin, die Holländer bemühten sich etwas intensiver um einen Treffer. Die Schweden verzeichneten erst in der 25.Minute den ersten Schuss auf das Tor der Holländer.

In der zweiten Halbzeit sanken die Temperaturen, das Niveau des Spiels aber stieg. Zunächst profitierte Schwedens Stürmer Zlatan Ibrahimovic von einem Fehler des Holländers Jaap Stam, der freistehend im Fünfmeterraum über den Ball schlug. Doch Phillip Cocu konnte den Fehler ausbügeln und auf der Torlinie klären. Auf der Gegenseite kam nun auch Ruud van Nistelrooy zu seinen Chancen. Zwei kleineren nach der Pause folgte eine große: Sein Schuss trudelte am rechten Pfosten vorbei.

Als Advocaat Jonny Heitinga für Edgar Davids einwechselte, durfte sich der Bondscoach Pfiffe der holländischen Fans anhören. Der Wechsel war zwar gerechtfertigt, doch Advocaat kann inzwischen fast machen, was er will – seine Landsleute pfeifen. Sie haben ihm nicht verziehen, dass er im Gruppenspiel mit Robbens Auswechslung die Niederlage gegen Tschechien eingeleitet hat.

In der Schlussphase flachte das Spiel wieder ab, beide Teams bereiteten sich auf die Verlängerung vor. Advocaat wechselte Roy Makaay vom FC Bayern München ein und erntete dafür sogar Beifall bei den Fans. In den letzten regulären Spielminuten belagerte sein Team das schwedische Tor, doch van Nistelrooy per Kopf und Makaay per Fernschuss brachten den Ball nicht über die Torlinie. Die Verlängerung musste entscheiden.

Darin konnte Isaksson einen Schuss von Robben nicht festhalten, doch der Ball prallte nur an den Pfosten. In der zweiten Hälfte der Verlängerung machte der Torwart seinen Fehler wieder gut und hielt mit einem sensationellen Reflex einen Freistoß von Clarence Seedorf. Jetzt folgte Schlag auf Schlag: Larsson schoss den Ball an die Querlatte, Ljungberg an den Pfosten. Ins Tor aber wollte der Ball erst im Elfmeterschießen.

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