Sport : Endlich Leute, die beißen

Nach anfänglicher Skepsis setzen sich die Neuen beim 1. FC Union langsam durch

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Von Karsten Doneck

Berlin. Alle Arbeit war getan. Die Spieler sehnten sich nach einer Dusche. Doch Jan Sandmann, Steffen Baumgart und Uche Igwe drangen zunächst gar nicht bis zu den Kabinen im Stadion Alte Försterei vor. Sie waren gefragte Leute: Hier ein kurzes Interview für Funk oder Fernsehen geben, dort mit halbem Ohr den Glückwünschen der Schulterklopfer lauschen, zwischendurch immer mal wieder Autogramme schreiben - für die drei Fußballprofis des 1. FC Union war mit dem Abpfiff noch lange nicht Schluss. Ehre, wem Ehre gebührt: Baumgart, Sandmann und Igwe sind neu bei Union, alle drei zählten am Sonntag beim 4:2-Sieg über den FC St. Pauli zu den Torschützen, was Union-Präsident Heiner Bertram schwärmen ließ: „Unsere Neuen werden auch immer besser.“

Union und seine Neuzugänge. Da war doch mal was? Richtig, Trainer Georgi Wassilew hatte sich gegen Ende der Saisonvorbereitung noch recht abfällig über das geäußert, was Union da für wenig Geld an neuem Personal hinzugeholt hatte. Keiner von denen sei besser als die, die schon in der Saison zuvor für den Verein auf dem Platz gestanden haben, moserte Wassilew. Bertram erinnerte ihn daran, dass er, Wassilew, zu allen Verpflichtungen seinen Segen gegeben hätte – mal etwas mehr Segen, mal weniger.

Da der Bulgare Wassilew auch einen ziemlichen Dickkopf haben kann, baute er dennoch im ersten Saisonspiel gegen Mainz 05 auf das schon ehedem vorhandene Personal. Union verlor 0:2. Es soll, so war zu hören, danach manche Sitzung gegeben haben, in der das Union-Präsidium den Trainer mit unbequemen Fragen über seine Aufstellungspraxis konfrontierte. Etwas zögerlich noch, sein Missvertrauen kaum verhehlend, begann Wassilew danach, den Neuen eine Chance einzuräumen: Erst Baumgart, Molata und Keita, und nachdem mit Ristic, Menze und Kozak gleich drei Mann vom Stammpersonal krankheitsbedingt ausfielen, auch Igwe und Sandmann. „Die Neuzugänge haben ihre Aufstellung gerechtfertigt, besonders Uche Igwe“, lobte Wassilew nach dem Sieg über St. Pauli und hatte auch noch aufmunternde Worte für Steffen Baumgart parat: „Leute wie ihn suchen wir doch, Leute, mit dieser Erfahrung, immer bereit zu beißen.“

Dann kam Wassilew auch noch auf Jan Sandmann zu sprechen. „Er hat sehr gut gespielt und ein wichtiges Tor gemacht“, sagte der Trainer, aber dann verriet er doch, dass er die Kehrtwendung zum Befürworter aller Neuzugänge noch nicht ganz vollzogen hat. „Aber“, nörgelte er, „das zweite Gegentor war Sandmanns Fehler. Und er hat vorher in Reutlingen schwach gespielt. Er muss konstant seine Leistung bringen.“ Wassilew wird die Neuen weiter skeptisch beäugen. Das garantiert schon seine Wertung nach dem St.-Pauli-Spiel. „Unser Mittelfeld war überragend“, urteilte Georgi Wassilew. Dort führten aber Widolow, Koilow und Okeke Regie. Wie im Vorjahr.

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