Sport : Endlich richtig Meister

Nach dem Manipulationsskandal holt Inter Mailand erstmals auch sportlich wieder den italienischen Titel

Vincenzo Delle Donne[Mailand]

Der letzte Meistertitel zählt nicht wirklich, weil er nach dem Manipulationsskandal am Grünen Tisch zustande kam. Gestern aber ist hat Inter Mailand richtig gewonnen. Nach 18 Jahren und der Investition von mehreren Hundert Millionen Euro ist es dem Klub gelungen, wieder den italienischen Meistertitel zu holen. Und zwar regulär, durch Siege auf dem Platz. „Es ist eine unbeschreibliche Freude für uns, weil der Titelgewinn verdient war“, sagte Trainer Roberto Mancini am Sonntag – fünf Spieltage vor dem Saisonende, da ihm und seinem Team der Titel nicht mehr zu nehmen ist.

Inter-Kapitän Javier Zanetti musste über ein Jahrzehnt auf seinen ersten richtigen Meistertitel warten. „Wie viele Meistertitel hätte ich gewonnen, wenn die Spiele nicht manipuliert worden wären?“ fragte der 34-jährige. Der Argentinier spielte damit auf den wahrscheinlich größten Manipulationsskandal der Fußballgeschichte an. Dessen Aufarbeitung ist immer noch nicht abgeschlossen.

In Siena, wo die Inter-Mannschaft den Titelgewinn mit einem 2:1-Sieg besiegelte, dominierte Inter den Gegner nach Belieben. Abwehrspieler Marco Materazzi war wie so oft die Seele der Mannschaft. Der Abwehrspieler erzielte auch die beiden Inter-Treffer. Zeitgleich verlor der zweitplatzierte AS Rom bei Atalanta Bergamo 1:2. Über die gesamte Saison hinweg dominierte Inter, das als Topfavorit in die neue Saison gestartet war, die Rivalen der skandalgebeutelten Serie A.

Die Freude von Inter-Präsident Massimo Moratti, Sohn des legendären Präsidenten Angelo Moratti, war dennoch eher gedämpft. Er hatte den Klub 1994 übernommen und wollte in die Fußstapfen seines Vaters treten. Doch die Manipulationen, für die es zunächst keine Beweise gab, führten dazu, dass Inter immer kurz vor Saisonende scheiterte. Nur den Uefa-Cup und den italienischen Pokal gewann der Klub. Moratti investierte weiter – und wurde erst jetzt belohnt. „Unser heutiger Erfolg war möglich, weil dem Spinnennetz der Manipulationen im italienischen Fußball ein Ende bereitet wurde“, sagte Moratti. Jetzt verlangt der Erdölhändler weitere Siege von der Mannschaft, in der kaum Italiener auflaufen. Morattis Credo: „Ich habe einen Traum: dass wir fünf Meistertitel in Folge gewinnen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar