Sport : Energisch nachlässig

Beim 1:2 nach Penaltyschießen gegen die Schweiz vergibt das deutsche Eishockey-Team beste Chancen

Claus Vetter[Hannover]

Jan Benda war sich gestern ziemlich sicher. Nach der 1:5-Niederlage zum Auftakt des Deutschland-Cup gegen die USA, werde die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft sich „von Spiel zu Spiel steigern“, hatte Benda gesagt. So ganz unrecht hatte der Rekordtorschütze der deutschen Auswahl nicht, gesteigert haben sich die Deutschen in ihrem zweiten Spiel unter dem neuen Bundestrainer Greg Poss. Sie dominierten die Partie gegen die Schweiz. Allerdings gab es dafür nur einen Punkt und nicht den ersten Sieg unter Poss: In der Hannoveraner Tui-Arena unterlagen sie den Schweizern 1:2 (1:0, 0:1, 0:0, 0:1) nach Penaltyschießen. Kapitän Stefan Ustorf wunderte sich über das Ergebnis: „Wenn man zehn Spiele so spielt wie das heutige, gewinnt man neun.“

Die Deutschen hatten den Abend mit einer guten Darbietung begonnen. So furios wie im ersten Drittel hat eine Eishockey-Nationalmannschaft selten ein Spiel begonnen. Die Schweizer überquerten gegen den aggressiv anrennenden Gegner anfangs nur selten die Mittellinie. Allerdings gingen die Deutschen mit ihren Vorteilen im Spiel viel zu großzügig um.

Insbesondere mit Schüssen auf das Schweizer Tor hatten sie es nicht so: Bundestrainer Greg Poss konnte hinter der Bande so viel „schießen, schießen“ rufen, wie er wollte. Der Abschluss wurde bei seinen Spielern zu selten gesucht. Sascha Goc gehörte zu den wenigen, auf die das nicht zutraf. Nach einem Schlagschuss des Mannheimer Verteidigers konnte der Schweizer Torwart Martin Gerber den Puck nur abprallen lassen – David Sulkovsky war zur Stelle und traf zum 1:0 für Deutschland.

Mehr Tore sollten trotz der engagierten Vorstellung der deutschen Mannschaft im Anfangsdrittel nicht fallen. Und das war sicher der Grund dafür, dass die Schweizer gestützt auf die gute Leistung von Torwart Gerber im zweiten Abschnitt mutiger wurden. Zudem hatten sie erkannt, dass die offensiv ausgerichtete deutsche Taktik zum Kontern einlud. Der Ausgleich für die Schweizer fiel nach 35 Minuten, weil Patrick Köppchen tatenlos neben dem Schweizer Ambuhl herfuhr. Dieser überwand den Berliner Torhüter Oliver Jonas mit einem platzierten Schuss ins linke Eck.

Trotz des Ausgleichstreffers dominierte die deutsche Mannschaft das Spiel im letzten Drittel – und schoss weiterhin zu selten auf das Tor des Gegners. Es nützt nichts, wenn man im Eishockey gute Chancen kreiert, sie dann aber nicht nützt – wie etwa der Frankfurter Michael Hackert nach einem Alleingang oder auch Daniel Kreutzer aus Düsseldorf nach einem energischen Solo. Das Spiel auf ein Tor fand in 60 Minuten keinen Sieger und auch nicht in der Verlängerung: Das Penaltyschießen musste entscheiden. Darin kamen die Schweizer nach einem Treffer von Romano Lemm zu einem schmeichelhaften Erfolg.

Bereits heute tritt das deutsche Team in seinem dritten Turnierspiel gegen die Slowakei an (14.30, live im DSF). Jochen Hecht sagte: „Wenn wir die Slowaken schlagen wollen, müssen wir uns noch mehr steigern.“ Es ist die dritte Chance für das Team, beim Deutschland-Cup nicht nur gut zu spielen, sondern auch einmal zu gewinnen.

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