England in Montenegro : Bleibt Rooney ruhig?

Im wegweisenden Gruppenspiel gegen Montenegro darf England am Dienstag auf keinen Fall verlieren. Fast alle Augen sind dabei mal wieder auf Manchester Uniteds Angreifer Wayne Rooney gerichtet.

An der Leine. Englands Wayne Rooney, Spitzname Pittbull, soll sich in Montenegro zusammenreißen.
An der Leine. Englands Wayne Rooney, Spitzname Pittbull, soll sich in Montenegro zusammenreißen.Foto: dpa

Englands Hitzkopf Wayne Rooney soll im City Stadium von Podgorica so richtig schön provoziert werden. „Das ist ein einschüchternder Ort, und wenn England irgendeine eine Chance haben will, dann muss Rooney einen kühlen Kopf bewahren“, stichelt Montenegros Kapitän Mirko Vucinic vor dem Spitzenspiel der WM-Qualifikationsgruppe H. Da war doch was: 2011 sah Rooney in der EM-Quali in just diesem 12 000-Zuschauer-Hexenkessel nach einem Blackout-Tritt die Rote Karte von Schiedsrichter Wolfgang Stark und verpasste deshalb bitter die ersten zwei EM-Spiele. Juventus Turins Stürmer Vucinic prophezeite: „Unsere Fans werden seine Rote Karte nicht vergessen haben - und sie werden ihn das wissen lassen.“ Welch ein Kontrastprogramm zu dem kuscheligen 8:0-Trip nach San Marino am Freitag, als die Three-Lions-Stars ihren Gegenspielern am Ende sogar Autogramme geben mussten. Spielführer Steven Gerrard warnt: „Ihre Anhänger werden es so feindselig wie möglich machen.“ Nationalcoach Roy Hodgson befürchtet im wegweisenden Duell gegen den Gruppenersten am Dienstagabend einen „Dog fight“. Rooney, dem immer noch der Spitzname „Pitbull“ anhaftet, sei mit seinen 27 Jahren inzwischen gezähmt, versichert das englische Lager derweil. „Als er jünger war, steckte vielleicht etwas mehr Temperament in ihm. Aber er ist jetzt älter, reifer und in jeder Situation erfahren“, meint Innenverteidiger Loleon Lescott. Der Superstar selbst wurde dieser Tage lieber nicht der Presse ausgeliefert.

Seitenlange Boulevardblatt-Kommentare über Rooneys Psyche zeigen, wie viel für England auf dem Spiel steht. Eine Pleite gegen diese junge Nation mit ihren 625 000 Einwohnern hätte „Monate der Angst“ für das Fußball-Mutterland zur Folge, konstatiert die „Times“. Nach fünf Spieltagen liegt der kleine, stolze FIFA-Weltrangliste-28. zwei Punkte vor der Hodgson-Elf. Wird England nur Gruppenzweiter, winken in den Playoffs so Brocken wie Portugal, Frankreich, Spanien oder Kroatien. Die „Times“ rechnet anhand der bisher durch und durch mittelmäßigen Hodgson-Trainer-Ära mit einem soliden Remis.

Gerrard forderte unmissverständlich einen Sieg: „Wir müssen das Maximum an Punkten aus dieser Woche holen, um den Fahrersitz zu übernehmen.“ Man wolle „ein Statement abgeben“ und die lange spielfreie Zeit im Sommer an der Gruppenspitze verbringen, sagte der Regisseur des FC Liverpool, der gegen San Marino geschont wurde. Er warnte indes davor, dass Montenegro durchaus einzelne Spieler der „Kategorie Weltklasse“ habe. Dabei plagen die Montenegriner im Mittelfeld erhebliche Personalsorgen: Milorad Pekovic ist nach seinem Platzverweis aus dem 1:0-Sieg jüngst gegen Moldawien gesperrt. Nikola Drincic and Branko Boskovic fehlen verletzt.

Montenegros Nationalcoach Branko Brnovic gibt sich dennoch betont entspannt. Im kommt gelegen, dass England die Initiative übernehmen muss. Brnovic hat eine interessante Taktik parat: „Wir werden den Bus vor unserem Tor parken und nach jeder Kontermöglichkeit Ausschau halten. Wenn ein Ferrari aus diesem Bus geschossen kommt und wir als Erster treffen, wird es ein total anderes Spiel.“ (dpa)

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