Entlassung bei Borussia Mönchengladbach : André Schuberts Erfolg war sein Fehler

Trainer, die mit Klubs wie Gladbach die Champions League erreichen, laufen automatisch Gefahr, in der Folgesaison schneller entlassen zu werden. Ein Kommentar.

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André Schubert muss in Gladbach seinen Posten räumen.
André Schubert muss in Gladbach seinen Posten räumen.Foto: AFP

Angenommen, André Schubert müsste nochmal vor die Mikrofone treten, folgende Frage würde er mit Sicherheit gestellt bekommen. „Herr Schubert, was glauben Sie, woran hat’s gelegen?“ Und Schubert, ganz Gentlemen, würde vermutlich sagen, dass es jetzt um den Verein gehe und Einzelschicksale keine Rolle spielen.

Dabei ist Schuberts Schicksal kein Einzelfall. Wie ihm geht es Trainern überall in Europa, die einen Klub von der Wirtschaftskraft Borussia Mönchengladbachs in die Champions League führen. Im ersten Moment mag der Wettbewerb locken. Die Ernüchterung kommt spätestens, wenn nach dem dritten oder vierten Spiel alle Chancen aufs Weiterkommen vertan sind. Dann raubt der Europapokal nur noch Kräfte. Kräfte, die ohnehin nur spärlich vorhanden sind.

Nur die Kader der Superreichen können die hohe Belastung auffangen

Wer international spielt, muss zwischen September und Dezember nahezu jede Woche alle drei Tage ein Pflichtspiel bestreiten. Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal – für Trainer ist es bei diesem Rhythmus enorm schwierig, Dinge zu korrigieren oder negative Trends zu stoppen. Dem mörderischen Tempo, das der Spielplan allen Mannschaften abverlangt, können nur noch die Superreichen mit ihren aufgeblähten Luxuskadern trotzen. Mannschaften wie Gladbach können das nicht. Leverkusen und Schalke haben gerade ähnliche Probleme. Fallen dann noch wie im Fall der Borussia Leistungsträger verletzt aus, ist der Niedergang im Alltag kaum zu stoppen. Ähnliches erlebt gerade Leicester City, das all seine Energien in die Champions League investiert, in der nationalen Liga aber wie Gladbach gegen den Abstieg kämpft. Der FC Villarreal stieg als Champions-League-Teilnehmer 2012 sogar ab.

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Medien: Hecking bei Mönchengladbach Schubert-Nachfolger

Sicher ist die Gladbacher Krise nicht nur der großen Belastung zuzuschreiben. Dieter Hecking, der am Donnerstag vorgestellt werden soll, wird als Nachfolger die Chance erhalten, es besser zu machen. Trainerentlassungen haben oft komplexe Hintergründe. Zweifel an Schubert gab es schon vorher, auch er dürfte Fehler begangen haben. Paradox nur, dass sein größter wohl die Qualifikation für Europa war.

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