Sport : Entlassung, die zweite

Barcelona trennt sich schon wieder von Trainer van Gaal

Harald Irnberger

Barcelona . Als die Spieler des FC Barcelona am Dienstagmorgen zum Training aufliefen, stand ihnen als Trainer ein alter Bekannter gegenüber: Carlos Rexach, den das Präsidium nach der vergangenen Saison wegen mangelnder Erfolge auf den Posten des Sportdirektors abgeschoben hatte. Nun durfte er provisorisch wieder tätig werden, während sein Nachfolger von damals über die Bedingungen seines Abganges feilschte: der Niederländer Louis van Gaal war in der Nacht zuvor entlassen worden.

Offiziell strebt der FC Barcelona eine „Trennung in Freundschaft“ an – um wenigstens einen Teil der sechs Millionen Euro hohen Abfindung einzusparen, die in van Gaals Vertrag festgeschrieben ist. Beim einst reichsten Verein der Welt ist kein Geld mehr da für großzügige Gesten.

Für Louis van Gaal ist es die zweite Trennung vom katalanischen Traditionsverein. Seine erste Amtszeit von 1997 bis 2000 hatte er vor allem dazu genutzt, die Mannschaft sukzessive mit holländischen Profis aufzufüllen. Nach seiner ersten Entlassung hatte van Gaal als niederländischer Nationaltrainer die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2002 verpasst. Dann rief wieder Barcelona, wo er von Anfang an umstritten war. Vor allem seine Fehde mit dem ebenfalls im letzten Sommer geholten Argentinier Riquelme rief im Umfeld Unverständnis hervor. Riquelme saß fast nur auf der Bank und verlor dabei nach Einschätzung des argentinischen Fußball-Weisen César Luis Menotti 30 Prozent seines Potenzials. Menotti sagt: „Die Mannschaft ist am Boden zerstört, sie hat keine Seele mehr."

Das bestätigen die Zahlen: Barcelona liegt auf Platz zwölf, 20 Punkte hinter Tabellenführer San Sebastian und nur drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Präsident Gaspart hatte sein Schicksal lange Zeit mit van Gaal verknüpft und ließ diesen erst nach langem Drängen seiner Vorstandskollegen fallen. Längst wird dem Präsidenten die Kraft zu einem notwendigen Neubeginn nicht mehr zugetraut. „Man müsste die laufende Meisterschaft verloren geben und eine schonungslose Analyse vornehmen“, schlägt Menotti vor. Der Mann weiß, wovon er spricht: 1983 war er Trainer jener Barca-Mannschaft, in der Diego Maradona und Bernd Schuster spielten. Schuster trainiert zurzeit mit erstaunlichem Erfolg den Zweitligisten Xerez. Schon geistert sein Name als möglicher neuer Trainer durch die spanischen Zeitungen. Er wäre wohl nicht abgeneigt: „Natürlich will ich einmal bei einem Verein wie Barca arbeiten“, sagt Schuster.

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