Sport : Entspannt zuschauen

Nach dem 4:1 gegen Krefeld steht der EHC Eisbären im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft – und wartet noch auf seinen Gegner

Claus Vetter

Berlin - Stimmungsvolle Eishockeyabende gab es im Sportforum Hohenschönhausen schon einige. Eishockeyabende mit bestellter Stimmung dagegen wenige. Da sah sich der Stadionsprecher der Eisbären am Donnerstag doch bemüßigt, vor dem fünften Viertelfinalspiel der Berliner gegen die Krefeld Pinguine um die Gunst der Fans zu buhlen: „Die Mannschaft hat mich darum gebeten. Sie braucht eure Unterstützung. Schließlich seid ihr die besten Fans der Liga.“ Darüber lässt sich streiten, loben sie doch überall in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ihre Fans. In Krefeld etwa wurden zwei Tage vorher die Anhänger der Pinguine über das Stadionmikrofon als „die besten Fans der Welt“ angekündigt. Unstrittig ist dagegen, woher der erfolgreichste DEL-Klub der jüngsten vier Jahre kommt: aus Berlin. Mit dem 4:1-Sieg am Donnerstag, ihrem vierten Erfolg in der nach dem Modus „Best of seven“ gespielten Serie gegen die Krefelder, qualifizierten sich die Eisbären zum vierten Mal in Folge für das Halbfinale in den Play-offs, in dem sie nun auf Hannover, Hamburg oder Köln treffen.

Der entscheidende 4:1-Sieg der Berliner wurde nach der Schlusssirene von Mannschaft und Fans im Sportforum mit viel Applaus und Ehrenrunden gefeiert. Zuvor hatte es zähe 36 Spielminuten gedauert, bis Micki Dupont mit einem mächtigen Schlagschuss das erlösende 1:0 erzielte. Danach resignierte der Außenseiter. Nur 80 Sekunden nach Duponts Tor fiel das 2:0 für die Berliner durch Deron Quint. Steve Walker traf im letzten Drittel noch zum 3:0. Nach dem Krefelder Ehrentreffer durch Dave Tomlinson schob Quint dann kurz vor Schluss noch den Puck zum 4:1 ins leere Krefelder Tor – Robert Müller war zugunsten eines Feldspielers vom Eis gegangen.

Quint waren in seiner Karriere nie zuvor zwei Tore in einem Play-off-Spiel gelungen. Der ehemalige Nationalspieler der USA nahm es mit einem zurückhaltenden Lächeln zur Kenntnis, so als wolle er sagen: nur keinen hochjubeln hier. Bei den Eisbären ist die Mannschaft der Star. Und das hat gegen Krefeld wohl den Unterschied ausgemacht, fand Quint. „Wir haben drei solide Blöcke, Krefeld hatte nur einen“, sagte der Verteidiger. Außerdem habe die Moral des Teams gestimmt. „Das hat man besonders im dritten Spiel gesehen, als wir nach einem 2:4-Rückstand noch 5:4 gewonnen haben“, sagte Quint. „Das war der Knackpunkt in der Serie.“ Die Krefelder wirkten am Ende ein wenig demoralisiert, aber enttäuscht war ihr Trainer nicht. „Kampfgeist allein reicht eben nicht, um gegen Berlin zu gewinnen“, sagte Teal Fowler. „Wir haben uns gut präsentiert.“ Und die Berliner mehr geärgert, als die es erwartet hatten. Das wiederum findet ihr Trainer gar nicht so schlecht. „Krefeld hat uns angeschubst“, sagte Pierre Pagé. „Jetzt wissen wir, dass wir noch mehr trainieren müssen, wenn wir mehr erreichen wollen.“ Gestern gönnte der Trainer seiner Mannschaft nach fünf Spielen in neun Tagen aber erst einmal einen freien Tag. Schließlich geht es erst am Donnerstag weiter.

An diesem Sonntag können die Spieler entspannt zuschauen, ob die jeweils 2:3 zurückliegenden Hannoveraner und Hamburger in ihren Serien gegen Ingolstadt und Düsseldorf ein weiteres Spiel erwirken können oder ob doch die bereits qualifizierten Kölner Haie der Berliner Gegner im Halbfinale sind.

Das Erreichen des Halbfinales haben der nach dem Titelgewinn vor einem Jahr stark verjüngten Berliner Mannschaft nicht alle zugetraut. Dass die Eisbären so weit gekommen sind, ist vielleicht auch der guten Stimmung geschuldet. Unbestellt gute Stimmung, wie Verteidiger Rob Leask berichtet. „Meist hast du in einer Mannschaft immer zwei, drei Problemfälle“, sagt Leask. „Die gibt es bei uns in dieser Saison nicht, da war die Stimmung in der Kabine immer gut.“ Und sie kann ja noch besser werden.

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