Sport : Er ist so frei

Florian Keller will mit den Wespen aufsteigen – aber dann hätte der Hockeyspieler ein Problem

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Von Anne-Katrin Löffler

Berlin. Einen Nachteil hätte es, wenn die Zehlendorfer Wespen den Aufstieg in die Erste Bundesliga schaffen würden. Florian Keller, der heute mit seinem Hockey-Team zum Relegationshinspiel beim SC Frankfurt 80 antritt, hätte nicht mehr so viel Freizeit. Denn in der ersten Liga, die ab kommender Feldhockey-Saison eingleisig mit zwölf Teams stattfindet, müsste der Stürmer mehr trainieren. Dabei will der 21-jährige Berliner sich auch gern auf sein Berufsleben konzentrieren. Und die Partys mit seinen Freunden möchte der junge Mann nicht missen.

In einem dunkelgrauen Anzug, die braunen lockigen Haare mit Gel in eine ordentliche Form gebracht, taucht Florian in seiner Mittagspause zum Gespräch in einem Berliner Café auf. Erst im August begann er die Ausbildung zum Versicherungskaufmann – auch der Beruf seines Vaters. Nicht nur beruflich scheint man in der Familie den gleichen Weg einzuschlagen. In Sachen Hockey haben die Kellers Geschichte geschrieben: Opa Erwin holte bei den Olympischen Spielen 1936 die Silbermedaille, Vater Carsten sogar Gold 1972 in München. Florians älterer Bruder Andreas hat schon drei Mal auf olympischem Rasen gespielt, gewann Gold in Barcelona 1992, Silber 1988 in Seoul und 1984 in Los Angeles. Und Schwester Natascha schwingt den Schläger im Sturm des Berliner Hockey-Clubs.

An den Olympischen Spielen teilzunehmen, ist auch Florians großes Ziel. „Ob es 2004 in Athen klappt, weiß ich nicht, weil ja meine Ausbildung dann noch nicht zu Ende ist.“ Die Ausbildung nimmt er sehr ernst, auch wenn das Hockeyspielen darunter ein bisschen leidet. „Seit ich arbeite, komme ich nicht mehr so viel zum trainieren.“ In der Nationalmannschaft hat er sich „für ein Jahr frei genommen“.

Florian Keller gilt als Talent, war mehrfach Torschützenkönig und ist schon als kleiner Junge dem Hockeyball hinterhergejagt. „Ich bin ja mit meinem Vater und den Brüdern schon immer mit auf den Platz gegangen. Und dann wollte ich das irgendwann selber machen.“ Ob die Familientradition ihn nervt? „Nö“, entgegnet er und fügt schmunzelnd hinzu: „Man ist ja auch stolz auf seine Familie.“ Aber er möchte seinen eigenen Weg gehen. Im letzten Jahr zog es ihn nach Hamburg, zum Erstligaklub HTHC. Nach einer Saison kehrte er zurück nach Berlin. Allerdings nicht zurück zum BHC. Er ging zu den Wespen, obwohl bisher alle in der Familie beim BHC gespielt haben. „Das Angebot war einfach zu gut.“ Es gab einen Ausbildungsvertrag dazu.

Neben Hockey und dem Job gibt es noch weitere Pläne: „Ich will beim Berlin-Marathon laufen.“ Seine Schwester hat ihm schon ein Buch geschenkt: In zwölf Wochen fit für den Marathon. Na, etwas mehr Zeit bleibt ihm ja noch.

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