Sport : Er lernt es nie

Alex Alves kassiert auch in Brasilien eine Geldstrafe

Klaus Rocca

Berlin . Dieter Hoeneß hatte nur ein mitleidiges Lächeln übrig. „Der lernt es nie“, sagte Hoeneß, Manager von Hertha BSC, als er die Kunde aus Brasilien vernahm. Dort, in Belo Horizonte, machte Alex Alves wieder einmal das, was er auch bei Hertha BSC am besten konnte: negativ auffallen. Als er beim Spiel seines jetzigen Vereins Atletico Mineiro gegen Juventude vorzeitig ausgewechselt wurde und die Fans ihn mit Schmährufen bedachten, machte er obszöne Gesten Richtung Zuschauer. Seine Frau und seine Tochter seien im Stadion gewesen, und deshalb habe er Schwierigkeiten gehabt, die Beschimpfungen über sich ergehen zu lassen, versuchte sich Alves zu rechtfertigen. Es half ihm nichts. Sein Verein belegte ihn mit einer Geldstrafe von 20 Prozent seiner monatlichen Bezüge.

Alves erging es in seiner Heimat nicht immer so. Bevor er zu Hertha kam, wurde er in Brasilien wegen seiner vielen Tore geradezu vergöttert. Wenn er nur am Ball war, standen die Fans auf und applaudierten. An diese seligen Zeiten musste er sich wohl erinnert haben, als er für 500 000 Euro von Hertha auf eigenen Wunsch aus seinem bis 2004 laufenden Vertrag entlassen wurde und bei Atletico Mineiro anheuerte. Doch den Fans ging sein arrogantes Benehmen schnell auf die Nerven. Dass er zudem, wie in Berlin, unübersehbar übergewichtig herumlief, trug ihm zusätzlichen Spott ein. Jetzt, nach seinen obszönen Gesten, hat er völlig verspielt.

Ausgewechselt wurde Alves auch bei Hertha höchst ungern. „So was ist für einen Brasilianer fast eine Beleidigung“, sagte er einmal. Nach einer Auswechslung ignorierte er schon mal des Trainers dargereichte Hand und erst recht die Ersatzbank. Über seine Eskapaden freute sich die Presse, den Verantwortlichen trieben sie Zornesfalten auf die Stirn. Da entschuldigte Alves sein Zuspätkommen schon mal mit dem Satz „Die Schranke im Parkhaus ging nicht hoch“. Und sein Fehlen erklärte er mal mit Halsschmerzen, mal mit einer Hodenentzündung, mal mit Fußpilz. 130 000 Euro musste er an Geldstrafen blechen – mehr als jeder andere Herthaner zuvor.

Dafür hatte er auch mehr gekostet als jeder andere. 7,5 Millionen Euro musste Hertha für Alves hinblättern, um ihn zu verpflichten. Der teuerste Spieler war am Ende der größte Flop. Als Alves am Ende der vergangenen Saison ging, war darüber bei Hertha niemand richtig unglücklich.

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