Erfolg in der Champions League : Initialzündung für die BR Volleys

Die BR Volleys ziehen aus dem Sieg gegen Istanbul BBSK in der Champions League viel Selbstvertrauen für die letzte Saisonphase.

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Überglückliche Berliner. Die Spieler der BR Volleys bejubeln den 4:2-Sieg gegen Istanbul.
Überglückliche Berliner. Die Spieler der BR Volleys bejubeln den 4:2-Sieg gegen Istanbul.Foto: dpa

Ein bisschen ärgerte sich Kaweh Niroomand dann doch. „Es ist ein Riesenerfolg, aber eben kein Titel“, sagte der Manager der BR Volleys – und grinste. In die Vitrine können sich die Berliner seit Dienstagabend nun zwar keine neue Trophäe stellen, aber sie haben etwas geschafft, das ihnen noch nie zuvor in der Geschichte des Vereins gelungen war: Sie haben das Play-off-6 der Champions League erreicht.

Noch beeindruckender aber war, wie die Mannschaft von Trainer Roberto Serniotti in die Runde der besten sechs europäischen Teams eingezogen war. Die Volleys lagen im Rückspiel gegen Istanbul BBSK fast aussichtslos mit 0:2 zurück und legten dann eine regelrechte Leistungsexplosion hin. Plötzlich waren die Berliner nicht mehr aufzuhalten und spielten ihren bisher besten Volleyball in dieser Saison. Sie gewannen die nächsten beiden Sätze, den Tie-Break und auch noch den entscheidenden Golden Set.

Nun haben die Berliner sogar das Final Four der Champions League Ende April in Rom vor Augen. Die letzte verbliebene Hürde auf dem Weg dorthin ist Dinamo Moskau. Das Hinspiel gegen das russische Spitzenteam steht am 5. April in der Max-Schmeling-Halle an, das Rückspiel dann eine Woche später auswärts.

Ein Spiel, das mehr bringt als ein halbes Jahr Training

Mit Moskau wollte sich Niroomand noch gar nicht genauer beschäftigen, nur eines stellte er klar: „Dinamo ist noch einmal eine andere Klasse als Istanbul. Wir sind nicht Favorit und müssen auf eine Überraschung hoffen.“ Lieber ordnete der 64-Jährige noch einmal die Bedeutung des so mitreißenden Sieges gegen die Türken ein. „Dieser Erfolg bedeutet viel für das Renommee der Volleys“, sagte Niroomand und sah das Erreichen der Runde der besten sechs Mannschaften der Champions League auch als Bestätigung für die Strategie des Klubs.

Denn ginge es im Vergleich mit den Topvereinen aus Italien, Russland oder Polen nur um die individuellen Qualitäten der Spieler, könnten die Berliner eigentlich nicht mithalten. „Doch weil wir die Korsettstangen des Teams in den vergangenen Jahren gehalten haben, sind wir zusammengewachsen“, betont Niroomand.

Der Manager zog aus dem nervenaufreibenden, aber glückseeligem Dienstagabend auch noch eine wichtige Erkenntnis für die letzte Saisonphase: „Dieses Spiel bringt uns für die entscheidenden Play-off-Spiele um die Meisterschaft enorm weiter.“ Als ein Beispiel führte er Ruben Schott an. Der 22 Jahre alte deutsche Nationalspieler, der in den wichtigen Phasen gegen Istanbul grandios agierte, könne extrem von dieser Erfahrung profitieren, sagte Niroomand. „Für Schott ist das 4:2 wie ein halbes Jahr Training.“

Kromm erinnert an Sastamala

Auch Kapitän Robert Kromm, mit 20 Punkten erfolgreichster Berliner Spieler gegen Istanbul, glaubt, dass der Sieg neue Kräfte bei den Volleys freisetzt. „Das kann die Initialzündung für die Saison sein“, sagte der 33-Jährige. „Jetzt ist der Glaube bei uns da: Wir können immer zurückkommen.“ Genau dieser Glaube schien den Berlinern zuvor abhanden gekommen sein. Die vier Niederlagen gegen den VfB Friedrichshafen in dieser Saison, inklusive des verlorenen Pokalfinales, zehrten an den Nerven. Schließlich waren es im vergangenen Jahr immer die Berliner, die die knappen Spiele und die engen Situationen für sich entscheiden konnten.

Kromm erinnerte sich dann auch an eine ähnliche Partie vor fast genau einem Jahr – im CEV-Pokal gegen das finnische Team Valepa Sastamala. Auch da verloren die Volleys das Hinspiel und brauchten im Rückspiel in Berlin den Golden Set. Auch da zeigten sie eine überragende Leistung, die sie dann bis zum Triple trug. Diesen Schub erhofft sich ebenfalls Paul Carroll. „Wir haben nun sehr viel Selbstbewusstsein“, sagte der Australier, ergänzte aber sofort: „Jetzt kommt erst mal Bühl.“ Am Sonntag spielen die Berliner bei dem badischen Bundesliga-Konkurrenten um den Einzug in das Play-off-Halbfinale. „Wir machen jetzt alles Schritt für Schritt, Satz für Satz“, sagte Carroll. „Das hat auch gegen Istanbul bestens geklappt.“

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