Sport : Erfreuliche Perspektiven (Kommentar)

fmb

Noch hat Merlene Ottey als unschuldig zu gelten. Aber dass auch die B-Probe positiv ausfallen wird, das ist aller Erfahrung nach zu erwarten. Und damit wäre sie als Dopingsünderin überführt. Ottey gehört seit Jahren zu den üblichen Verdächtigen. Mit 39 Jahren hat sie eine Saisonbestzeit von 10,97 Sekunden. So schnell war Evelyn Ashford 1984, zu schlimmsten Doping-Zeiten, bei ihrem Olympiasieg - als 27jährige. Es wird immer Ausnahmeathleten geben, Ottey gehört ebenso dazu wie Linford Christie. Aber es gibt Grenzen der Leistungsfähigkeit. Christie, der sich im hohen Sprinter-Alter noch steigerte, wurde schon überführt, Ottey steht kurz vor einer Sperre - voilà.

Zehn prominente Dopingfälle in der Leichtathletik allein 1999, das ist bemerkenswert. Erstaunlich ist allerdings nicht, dass es diese Dopingfälle überhaupt gibt, denn in der Szene dürfte unverändert geschluckt werden. Auffällig ist, dass auf einmal so viele Topathleten im Kontrollnetz hängen bleiben. Das ist vor allem das Resultat des öffentlichen Drucks, der zu intensiveren Kontrollen führte. Das zahlt sich jetzt aus. Das Kontrollnetz ist noch längst nicht eng genug, aber es wird enger, eine ermutigende Perspektive. Ob es dauerhaft engmaschig wird, muß sich freilich noch zeigen. Mißtrauen ist angebracht. Auf jeden Fall kann man jetzt wetten: Wer ist der Nächste? Unter Freunden: Maurice Greene könnte ein heißer Tip sein. Der lief bei seinem 100-m-Weltrekord 9,79 Sekunden. So schnell war einst Ben Johnson auch. Bis unter die Haarspitzen voll mit dem Dopingmittel Stanozolol.

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