Sport : Erhöhte Naivitätswerte

Friedhard Teuffel

In Sachen Doping müssten eigentlich nicht nur bestimmte Substanzen verboten sein, sondern auch manche Aussagen. Dazu gehört auf jeden Fall, was die deutsche Biathletin Uschi Disl nach dem ersten Dopingfall dieser Olympischen Spiele erklärt hat. Wenn die Russin Pylewa gedopt habe, sollte sie das ganze Leben lang gesperrt werden. Wegen erhöhter Naivitätswerte sollte allerdings auch Disl mit einer Sperre belegt werden, vielleicht mit einem zweitägigen Interviewverbot.

In der Tat sind Pylewas A- und B-Probe positiv und die Russin hatte schon vorher Verdacht erregt, indem sie sich oft in Training und Wettkampf rar gemacht hatte. Doch ist die ihr nachgewiesene Substanz eine rätselhafte. Auch der Radprofi Danilo Hondo war deswegen mit Unterstützung des Anti-Dopingkämpfers Werner Franke gegen seine Sperre bis vor den Internationalen Sportgerichtshof gezogen. Das entlässt Pylewa nicht aus der Verantwortung. Vielleicht wird sie zu Recht für zwei Jahre gesperrt werden. Aber die Forderung nach einer lebenslangen Sperre ist absurd.

Sie nimmt einem Athleten das Recht auf Bewährung, das ist das Entscheidende. Hinzu kommt, dass Zweifeln inzwischen zum Sport gehören sollte wie die Regeln. Gibt es nicht auch beim Doping Unterschiede, was wer unter welchen Umständen geschluckt oder gespritzt hat? Mit ihrer Aussage ist Disl in die Propagandafalle der Sportfunktionäre und der lauten Medien gelaufen: dass nämlich alle nicht-überführten Sportler Vorbilder für die Jugend seien und alle überführten Kriminelle.

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