Sport : Erinnerungen an Athen

Das Handball-Nationalteam verliert beim Supercup die Neuauflage des Olympia-Finales gegen Kroatien 34:36

Hartmut Moheit[Bremen]

Vor dem Auftaktspiel zum Handball-Supercup zwischen Deutschland und Kroatien hatte Florian Kehrmann noch ein angeregtes Gespräch mit Vlado Sola. „Wir kennen uns so lange, da tauscht man eben ein paar Nettigkeiten aus“, sagte der Lemgoer über den Torhüter des Gegners. Eine knappe Stunde später gab es im Bremer AWD-Dome vor 8600 Zuschauern keinen Anlass mehr für Gesten der freundlichen Art, schließlich war es in der Neuauflage des Olympia-Finales von Athen erneut um sehr viel gegangen. Das hohe und recht knappe Ergebnis von 36:34 (20:18) für Kroatien zeigt, wie umkämpft das Spiel auch diesmal wieder war. „Mit diesem Ergebnis kann ich gut leben“, sagte Bundestrainer Heiner Brand. In seinem Team waren Florian Kehrmann und der Kieler Christian Zeitz mit jeweils sieben Treffern die besten Werfer.

Nach nur vier Trainingseinheiten vor dem Supercup legte Europameister Deutschland los, als gelte es, das Olympiasilber nachträglich zu vergolden. Vor allem als der Magdeburger Johannes Bitter in der 12. Minute für Carsten Lichtlein (Lemgo) beim 6:7 ins Tor kam, hatten die Fans ihre Freude – die eigentliche Nummer eins, der Welthandballer des Jahres Henning Fritz aus Kiel, pausierte in diesem Spiel noch. Bitter hielt zwei Siebenmeter von Mirza Dzomba und ließ sich auch vom frei vor ihm werfenden Blazenko Lackovic nicht überwinden. Das waren die Signale, die sich Brand gewünscht hatte, und der Angriff nahm sie auf: Die Außenspieler Florian Kehrmann von rechts, Dominik Klein von links sowie der so oft gescholtene Christian Zeitz aus dem Rückraum überwanden den starken Sola jeweils vier Mal. Plötzlich stand es 16:12 und 17:13 für Deutschland. „Dann unterliefen uns ein paar technische Fehler, die Deckung war nicht mehr so konsequent und im Angriff blieben ein paar Würfe hängen“, sagte Brand über die dann folgenden fünf Minuten bis zum Halbzeitpfiff, der beim 18:20 ertönte. Kroatien, das bis auf die verletzten Goluza und Kaleb das beste Aufgebot aufgeboten hatte, zeigte in dieser kurzen Phase sein großes Können.

Mit Kampfgeist konnten die Deutschen aber einiges an Abstimmungsproblemen immer wieder ausgleichen. In die Deckungsmitte beorderte Brand den Magdeburger Oliver Roggisch, weil Frank von Behren nach zwei Zeitstrafen kurz vor einem Platzverweis stand. Und für den Angriff brachte er auf Linksaußen den schnellen Yves Grafenhorst, einen weiteren Magdeburger. Dem gelangen vier Treffer, mit denen er dem DHB-Team sogar die Siegchance erhielt. Dagegen kamen von Andrej Klimowets in seinem ersten Länderspiel für Deutschland bis zur Pause keine Tore hinzu. Trotzdem war sich Brand sicher: „Wir werden noch viel Freude an ihm haben.“ Im zweiten Durchgang erzielte der gebürtige Weißrusse immerhin zwei Treffer.

Mit vier Toren lag Deutschland 20 Minuten vor Schluss zurück, beim 33:33 (57. Minute) glaubten viele an die Überraschung. „Da war dann Kroatien routinierter, aber ich bin dennoch mit dem Spiel meiner Mannschaft nicht unzufrieden“, sagte Heiner Brand. Heute trifft seine Team in Magdeburg auf Russland. Dieses Spiel müssen die Deutschen gewinnen, um das Halbfinale nicht zu verpassen.

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