Sport : Erschöpft im Sand

Deutsche Beachvolleyballerinnen enttäuschen bei der WM in Berlin

Karsten Doneck

Berlin – Seine geheimen Absichten hatte Werner vor Moltke schon vor Monaten kundgetan. Allein umsetzen ließen sie sich nicht. „Ich freue mich schon auf den Kuss, den ich Susi und Danja gebe, wenn sie auf dem Podest stehen“, sagte der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) mal Mitte April im Hinblick auf die Beachvolleyball-Weltmeisterschaften in Berlin. Doch als gestern auf dem Schloßplatz um die Medaillen gespielt wurde, hatten sich Susanne Lahme und Danja Müsch längst vom Turnier verabschiedet. Wie auch alle anderen deutschen Frauen-Teams, unter ihnen Stephanie Pohl/Okka Rau, die ebenfalls als Anwärter auf eine Medaille galten. Pohl/Rau schnitten aus deutscher Sicht als Neunte noch am besten ab. „Enttäuschend“ findet von Moltke diese Bilanz.

Als Weltmeisterinnen verließen gestern Kerri Walsh und Misty May-Treanor den Center Court. Die Titelverteidigerinnen aus den USA siegten im Finale gegen Larissa Franca/Felisberta Silva aus Brasilien sicher mit 21:17, 21:17.

Ursachenforschung für das Versagen der Deutschen wurde schon betrieben, als das Turnier noch lief. Zum Beispiel hinsichtlich Lahme/Müsch. „Ich habe bei ihnen das Feuer in den Augen nicht gesehen“, monierte von Moltke. In diese Richtung dachte auch Olaf Kortmann. Der war mal Trainer der Hallen-Nationalmannschaft, coacht jetzt das bei dieser WM auf Platz 17 gelandete Duo Sara Goller und Laura Ludwig. Kortmann sagt: „Wenn andere Dinge, zum Beispiel beruflicher Art, ins Spiel kommen, dann bist du nicht mehr konzentriert genug für eine WM.“ Danja Müsch (34) will, so heißt es, künftig ihre Karriere als Journalistin vorantreiben, auch Susanne Lahme (36) wird sich in Kürze vom Beachvolleyball verabschieden. „Bei denen herrschte der Gedanke vor: Diese WM nehmen wir noch mit. Ihnen fehlte das langfristiges Ziel“, analysiert Kortmann.

Ganz anders stellt sich die Lage für Stephanie Pohl und Okka Rau dar. Die beiden engagierten sich sehr stark, als es um die Durchsetzung von Spielerinteressen gegenüber dem Weltverband FIVB ging. Vor allem Rau war eine der Wortführerinnen. „Dabei haben sie viel Kraft verpulvert“, sagt von Moltke. Dass generell die Konzentration der Spielerinnen unter dem Konflikt mit der FIVB gelitten habe, bestreitet zumindest Danja Müsch: „Sobald man den Center Court betritt, denkt man nur noch ans Spiel.“ Okka Rau merkte an: „Für alle Spielerinnen galten doch die gleichen Voraussetzungen.“ Dass Rau/Pohl bei dieser WM schwächelten, hat für Kortmann einen ganz einfachen Grund. „Die haben sich sportlich nicht weiterentwickelt“, sagt er.

Und wer sich nicht entwickelt, der gerät eben gegenüber der Konkurrenz schon mal in Rückstand. Die WM in Berlin hat deutlich gemacht, dass die Deutschen den Abstand zu den tonangebenden Beachvolleyball-Nationen Brasilien, USA und Australien längst noch nicht wettgemacht haben. „Es kann immer mal ein Ausrutscher im positiven Sinne passieren, dass ein deutsches Team etwa die besten Amerikanerinnen schlägt. Aber die Regel ist das nicht“, sagt Kortmann.

Werner von Moltke, den DVV-Präsident, beunruhigt die schwache Bilanz der deutschen Beachvolleyballerinnen indes nicht. „Das sind doch keine Wunderkinder, sondern ganz normale Menschen“, sagt er. Und dass er Susi und Danja nicht küssen durfte, wird von Moltke auch verschmerzen. Schließlich ist er ja auch mit seiner Ehefrau zur WM angereist.

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