Sport : Erst in den letzten zehn Minuten standesgemäß

Im letzten EM-Test macht die deutsche Fußball-Nationalelf aus einem 3:2 am Ende noch ein 8:2

Mit neuen Sorgen um Lothar Matthäus und einem erst im Endspurt gesicherten Kantersieg gegen Liechtenstein endete für die deutsche Nationalmannschaft der letzte Test vor der Europameisterschaft. Fünf Tage vor dem EM-Start in Lüttich gegen Rumänien holte sich der Titelverteidiger beim 8:2 (2:1) gegen den Fußball-Zwerg aus dem Fürstentum allerdings nicht den erhofften Rückenwind für die EM, sondern warf stattdessen neue Fragen um die EM-Tauglichkeit und die Idealformation auf.

25 000 Zuschauer im ausverkauften Freiburger Dreisamstadion erlebten eine über weite Strecken ideenlose deutsche Elf, die den Erfolg durch Tore von Oliver Bierhoff (1. Minute), Mehmet Scholl (31.), Marco Bode (65.), Ulf Kirsten (80./81./86.) und Carsten Jancker (84./88.) erst in den letzten zehn Minuten standesgemäß gestaltete. Für die couragierten Gäste konnten Stocklasa (17.) und Mario Frick (56.) zwei Mal ausgleichen. Das Benefizspiel zu Gunsten des DFB-Sportfördervereins unter dem Motto "Kinder stark machen" brachte die Netto-Rekordeinnahme von rund vier Millionen Mark.

Die neuerliche Verletzung von Matthäus, der erst am Mittag nach einer Untersuchung Grünes Licht für einen Einsatz erhalten hatte, lässt eine EM-Teilnahme des Rekord-Nationalspielers fraglich erscheinen. Elf Tage nach dem im Trainingslager auf Mallorca erlittenen Muskelfaserriss musste der 39-Jährige wegen erneuter Muskelprobleme im Oberschenkel bereits nach einer halben Stunde das Feld räumen. Zwar bezeichnete der Abwehrchef seine Auswechslung als reine Vorsichtsmaßnahme, doch drängt sich der Verdacht auf, dass sein Einsatz gegen Liechtenstein noch zu früh kam.

Fünf Tage vor dem EM-Auftakt in Lüttich gegen Rumänien gewann DFB-Teamchef Erich Ribbeck zudem die Erkenntnis, dass das von ihm mit Blick auf den ersten EM-Gegner gewählte Defensivkonzept gescheitert ist. Der 62-Jährige hatte in der Anfangself auf einen Spielmacher verzichtet und dafür im Mittelfeld mit Dietmar Hamann und Jens Jeremies zwei Defensivkräfte aufgeboten. Unter dem Fehlen eines kreativen Kopfes litt das deutsche Spiel eine Halbzeit lang erheblich, doch auch mit den ab der 46. Minute mitwirkenden Thomas Häßler und Dariusz Wosz lief längst nicht alles rund. Bis auf Torhüter Oliver Kahn gab Ribbeck in Freiburg allen 22 Akteuren seines EM-Kaders Spielpraxis. Besonders auf dem Prüfstand im Dreisamstadion stand auch Jens Jeremies. Bei seinem ersten Länderspiel-Einsatz nach mehr als drei Monaten ging von dem Münchner 45 Minuten lang nur wenig Initiative aus. Nur der Auftakt des Spiels verlief aus deutscher Sicht programmgemäß. Bierhoff verwertete nach gerade einmal 52 Sekunden einen Eckball von Scholl zum 1:0. Doch dem verheißungsvollen Start folgte eine lange Phase des Leerlaufs im deutschen Team, dem ohne Regisseur in der Anfangsformation ein Führungsspieler fehlte. Mit Rufen nach Häßler und Jubel für jede gelungene Aktion des Außenseiters quittierten die Fans das Ballgeschiebe der Gastgeber, die zudem immer wieder in die Abseitsfalle tappten.

Ein kapitaler Fehlpass von Matthäus ermöglichte den Gästen den Ausgleich durch Stocklasa, einen von zwei Profis im Team des Fürstentums. Erst eine gelungene Kombination, die Scholl mit einem platzierten Schuss zum 2:1 abschloss, ließ die Gastgeber wieder besser ins Spiel finden. Richtig auf Touren schien der Europameister nach dem Seitenwechsel zu kommen, als die eingewechselten Häßler, Jancker und Bode das von dem 18-jährigen Jehle gehütete Gäste-Tor mächtig unter Beschuss nahmen. Um so überraschender kam der Fußball-Zwerg zum erneuten Ausgleich durch Mario Frick, bei dem Ramelow und Torhüter Butt bei seinem Länderspiel-Debüt keine gute Figur machten. Erst spät stellte der haushohe Favorit den standesgemäßen Erfolg sicher.

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