Sport : Erste Klasse, zweite Wahl

Deutsche Handball-Nationalspieler bekommen in den Spitzenklubs immer weniger Spielpraxis

Hartmut Moheit

Berlin - Leicht hat es Christian Zeitz derzeit beim THW Kiel nicht. Zwar sagt der Manager des deutschen Handballmeisters Uwe Schwenker: „Über ihn mache ich mir die wenigsten Sorgen.“ Aber das Pokalspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt ergab ein anderes Bild. Immer dann, wenn Zeitz nicht so richtig ins Spiel fand, kam für ihn auf der rechten Rückraumposition der Schwede Kim Andersson. Das 35:32 nach Verlängerung rechtfertigte zunächst einmal diese Maßnahme durch THW-Trainer Zvonimir Serdarusic im Sinne seines Teams, aber für den deutschen Nationalspieler könnten Wiederholungen dieser Art durchaus Folgen haben. Seine Stärke liegt in der Improvisation, der Angriffswucht und den überraschenden Würfen. Je kürzer nun die Spielzeit für Zeitz in dieser Saison wird, desto weniger hat er die Chance, diese Stärken zu beweisen. Nach dem Erfolg der Kieler in der Ostseehalle gegen den Cupverteidiger aus Flensburg dürfte Bundestrainer Heiner Brand allein schon nach dem Blick auf die Torschützenliste eine Gänsehaut bekommen haben. Christian Zeitz war in beiden Spitzenteams mit einem Treffer der einzige deutsche Torschütze. In der vergangenen Saison hatte er es in 34 Bundesligaspielen auf 186 Tore gebracht. Da gehörten jedoch Kim Andersson und mit Nikola Karabatic (Frankreich) und Viktor Szilagy (Österreich) weitere Rückraumspieler noch nicht zum Kieler Aufgebot.

„Christian ist ein ganz wichtiger Spieler für uns, er muss nur konstanter werden“, beurteilt Schwenker die Situation beim THW, der „über die lange Saison hinweg alle Klassespieler benötigt“.

Was für die 13 000 Fans in Kiel am Dienstag offensichtlich unwichtig war, Hauptsache die Serie von 679 Tagen ohne Pflichtspielniederlage in ihrer Sporthalle wurde verlängert, erweist sich immer mehr als ein Problem im deutschen Handball. Deshalb hatte der Bundestrainer bereits am 3. September in einem Interview mit dem Tagesspiegel „eine Selbstbeschränkung der Vereine“ gefordert. Das Ergebnis: Nach sechs Spieltagen in der Bundesliga beobachtete Brand, „dass ein Großteil seiner Nationalspieler kaum zum Einsatz kommt.“

Es ist gut möglich, dass Brand bereits beim Supercup vom 24. bis zum 30. Oktober in Deutschland, der mit Kroatien, Russland, Frankreich, Schweden und Weltmeister Spanien glänzend besetzt ist, auf Andrej Klimovets zurückgreift, der bislang 112 Länderspiele für Weißrussland absolviert hatte. Seit der vergangenen Woche besitzt der 31 Jahre alte Kreisläufer der SG Kronau/Östringen einen deutschen Pass, und Brand hat ihn bereits beim Spiel des Vereins gegen den HSV Hamburg beobachtet.

Bereits im Januar 2006 steht die Nationalmannschaft bei der EM in der Schweiz vor einer schweren Aufgabe. Da rechnet Brand auch wieder fest mit einem starken Christian Zeitz, der sich nun beim Supercup in Bestform bringen muss.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben