Sport : Erster Fußballspieler in Untersuchungshaft

Im Zusammenhang mit dem Wettbetrugs-Skandal ist der erste Fußballspieler festgenommen worden. Steffen Karl vom Regionalligisten Chemnitzer FC wurde in Chemnitz mit Haftbefehl des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten verhaftet. (11.03.2005, 19:01 Uhr)

Berlin - Mit der Festnahme des früheren Bundesligaspielers Steffen Karl hat der Wett- und Betrugsskandal im deutschen Fußball eine neue Dimension erreicht. Zwei Tage nach der Verhaftung von Zweitliga-Schiedsrichter Dominik Marks wurde am Freitag auch der 35 Jahre alte Verteidiger vom Nord-Regionalligisten Chemnitzer FC in Untersuchungshaft genommen. Insgesamt gibt es laut dem Berliner Staatsanwalt Michael Grunwald in der durch den früheren Schiedsrichter und Hauptbeschuldigten Robert Hoyzer ausgelösten Affäre mittlerweile 25 Beschuldigte.

Gegen Karl, der seit zwei Jahren in Chemnitz spielt, dort verhaftet wurde und in Berlin in Untersuchungshaft sitzt, besteht dringender Tatverdacht wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, der versuchten Verbrechensabrede und Nötigung. Als Haftgrund wurde Verdunkelungsgefahr genannt, weil Karl den Zeugen Georg Koch, früher Torwart bei Energie Cottbus, jetzt beim MSV Duisburg, bedroht haben soll. «Davon gehen Gericht und Staatsanwaltschaft aus», teilte Gerichts-Pressesprecher Arndt Bödenkover nach der Verhaftung im Kriminalgericht Moabit mit.

«Auf Grund dieses Tatbestandes hat der Vorstand des Chemnitzer FC den Spieler Steffen Karl mit sofortiger Wirkung beurlaubt», teilte Karls Club am Abend mit. Zudem kündigte der Verein an, sich nach eingehender Prüfung des Falles weitere Maßnahmen vorzubehalten. Zuvor hatte die zuständige Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Berlin- Tiergarten dem Spieler den Haftbefehl verkündet und die Vollstreckung der Untersuchungshaft angeordnet.

«Ich bin sehr überrascht», sagte Chemnitz-Trainer Dietmar Demuth vor dem Punktspiel seines Clubs am Samstag in Uerdingen. Karl gehört nicht zum CFC-Aufgebot, da er sich für die Partie wegen einer Blessur abgemeldet hatte. Karl, der für Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin 99 Bundesliga-Spiele bestritten hat, hat sich zur Sache nicht geäußert. Sein Verteidiger kündigte an, dass sich sein Mandant am Montag durch die Staatsanwaltschaft vernehmen lassen will. Das bestätigte Gerichtssprecher Bödenkover und sagte: «Wir ermitteln in der Angelegenheit weiter mit Hochdruck.»

Laut Amtsgericht sollte Steffen Karl in Absprache mit dem mitbeschuldigten und ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden Ante S. am 22. Mai 2004 im Spiel des SC Paderborn gegen den Chemnitzer FC durch ein Foulspiel im eigenen Strafraum Schiedsrichter Robert Hoyzer die Gelegenheit verschaffen, einen Elfmeter zu pfeifen. Das Spiel endete 4:0, es gab zwei Elfmeter für Paderborn, die allerdings nicht von Karl verursacht wurden.

Der Name Steffen Karl war von Duisburgs Torhüter Koch Anfang Februar erstmals ins Spiel gebracht worden. Koch berichtete, dass sich vor der Partie seines Ex-Vereins Cottbus gegen Jahn Regensburg ein Mann mit dem Namen «Steffen Karl» bei ihm gemeldet und ihm 20 000 Euro für den Fall angeboten habe, dass er im Spiel gegen Regensburg (3:0) ein, zwei Mal den Ball ins Tor lasse. Koch, der das Angebot nach eigenem Bekunden ablehnte, betonte, dass er nicht wisse, ob es sich tatsächlich um den Fußballspieler Karl gehandelt habe. Per Telefon sei Koch zum Schweigen aufgefordert worden, andernfalls werde ihm «etwas passieren», hieß es. (Von Andreas Zellmer, dpa) ()

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