Erster Sieg in der Europa League : Hertha BSC schlägt Luhansk 2:0

Stürmer Davie Selke erzielt beide Tore zu einem verdienten Erfolg, der die Berliner für Europa wieder hoffen lässt.

von
Ein Mann, zwei Tore - Herthas Stürmer Davie Selke.
Ein Mann, zwei Tore - Herthas Stürmer Davie Selke.Foto: Stache/dpa

Nach zwanzig Minuten konnten sich auch die Gäste aus der Ukraine dazu aufraffen, den Strafraum der Berliner einmal aus der Nähe in Augenschein zu nehmen. Bis dahin hatte sich das Geschehen zumeist auf der anderen Seite abgespielt. Dass die Spieler des ukrainischen Pokalsiegers Sorja Luhansk von der mächtigen Kulisse im Berliner Olympiastadion eingeschüchtert waren, lässt sich allerdings nicht behaupten. Gerade mal 20 358 Zuschauer befanden sich am Donnerstagabend in der riesigen Schüssel. Es war eine triste Kulisse für ein recht unterhaltsames Spiel, in dem Hertha BSC zudem den ersten Sieg in der Europa League feierte. Der Berliner Fußball-Bundesligist setzte sich dank zweier Tore von Davie Selke mit 2:0 gegen Luhansk durch.

Herthas B-Elf spielte mit viel Lust

Herthas Trainer Pal Dardai hatte seine Ankündigung wahr gemacht und rotiert wie noch nie. Aus der Startelf vom vergangenen Wochenende waren nur Peter Pekarik, Niklas Stark und Salomon Kalou übriggeblieben. Maximilian Mittelstädt kam zu seinem Saisondebüt bei den Profis, Valentin Stocker spielte als zweiter Sechser neben dem 18-jährigen Arne Maier. Eine interessante Variante, durch die Hertha im Zentrum über viel Ballsicherheit verfügte. Überhaupt spielte die ungewohnte B-Elf ungewohnten Fußball – mit viel Lust nach vorne nämlich. Vor allem die jungen Leute bei den Berlinern traten erfrischend unroutiniert auf, allen voran Arne Maier.

Schon in der fünften Minute kam der Fußball-Bundesligist zu seinem ersten Torschuss. Salomon Kalou zog an drei Ukrainern vorbei, scheiterte mit seinem Abschluss allerdings an Torhüter Andrej Lunin. Kurz darauf erging es Alexander Esswein ähnlich. Nach einer geschickten Rückgabe Selkes konnte er den Ball nicht ausreichend platzieren. In dieser Phase kamen die Gäste, die das Hinspiel vor zwei Wochen 2:1 gewonnen hatten, kaum einmal aus der eigenen Hälfte heraus. Herthas Führung war fast folgerichtig – und noch dazu schön herausgespielt. Ondrej Duda passte in den Lauf von Jordan Torunarigha, der legte den Ball mit der Hacke zu Mittelstädt zurück, und dessen Flanke vollendete Selke per Kopf zum 1:0.

Herthas Mittelstürmer war auch im Hinspiel erfolgreich gewesen und hat damit alle Tore der Berliner in dieser Europapokalsaison erzielt. Im Strafraum ist Selke zu Hause, hier hat er seine Stärken; ein Kombinationsfußballer ist er eher nicht. Das war auch gegen Luhansk wieder zu sehen. Selbst simple Pässe über fünf Meter bringt Selke nicht zwingend an den eigenen Mann. Bis Mitte der ersten Halbzeit war das für Hertha zu verschmerzen, danach war Selke bis zur Pause kaum noch zu sehen, weil Sorja nun das Spiel machte und sich das Geschehen mehr und mehr in der Hälfte der Berliner zutrug. Zwar hatten die Gäste noch einmal Glück, als Hertha ein möglicher Handelfmeter versagt blieb. Nach einer guten halben Stunde aber bot sich ihnen eine erstklassige Chance zum Ausgleich. Maxim Lunow verfehlte mit einem Schlenzer aus 17 Metern nur um Zentimeter das Tor von Thomas Kraft.

Zu Beginn der zweiten Hälfte verlagerten die Berliner das Spiel wieder mehr in die Hälfte Luhansks, sie spielten entschlossener nach vorne – auch auf Kosten der defensiven Kompaktheit, die sonst Herthas Markenzeichen ist. Aber das war nicht nur der ungewohnten Aufstellung des Teams, sondern auch dem jugendlichen Elan geschuldet. Allzu bedrohlich wirkten die Gäste nicht, obwohl Hertha ihnen einige Räume bot. Etwas mehr als eine Stunde dauerte es, ehe die Ukrainer zu ihrer ersten Ecke kamen. Kurz darauf hatten sie ihre größte Chance zum Ausgleich. Der eingewechselte Artem Gordijenko setzte den Ball aus vier Metern über das Tor.

Sorjas Trainer Juri Wernidub trieb seine Mannschaft noch einmal an. Während die Europa League für Hertha inzwischen eher schmückendes Beiwerk ist, genießt der Wettbewerb für die Luhansker höchste Priorität. Aber auch das bewahrte sie nicht vor einer verdienten Niederlage. Zwanzig Minuten vor dem Ende machte Selke mit seinem zweiten Treffer alles klar. Nach einem Zuspiel von Alexander Esswein umkurvte er Torhüter Lunin und schob zum 2:0 ein. Hertha BSC hat damit fürs Erste die Chance gewahrt, doch noch ins Sechzehntelfinale der Europa League einzuziehen.

 

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben