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Erstes Wiedersehen heute bei Frankfurt gegen Bremen : Der Geist vom Thomas Schaaf lebt beim SV Werder

Nach 41 Jahren im Verein spielt Thomas Schaaf mit Eintracht Frankfurt heute erstmals in seinem Profileben gegen Werder. Bremen will nach vorne schauen, aber kann sich von der Ära der Trainerikone kaum lösen.

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Lang hair. Thomas Schaaf kickt 1982 für den SV Werder. Am Sonntag ist der Trainer erstmals Gegner, mit Eintracht Frankfurt.
Lang hair. Thomas Schaaf kickt 1982 für den SV Werder. Am Sonntag ist der Trainer erstmals Gegner, mit Eintracht Frankfurt.Foto: Imago

Solche Sätze dürften Thomas Eichin nicht gefallen. Werder Bremens Manager sagte nichts, aber das Unbehagen war ihm anzumerken. Etwa darüber, dass sein Cheftrainer Viktor Skripnik betonte, er freue sich sehr auf das Wiedersehen mit Thomas Schaaf. „Für unseren Trainerstab mit Torsten Frings und Christian Vander ist es eine Ehre“, sagte Skripnik. „Wir haben lange unter Thomas gespielt.“

Am Sonntag tritt Schaaf zum ersten Mal in seinem Profileben gegen Werder Bremen an, nach 41 Jahren als Spieler und Trainer an der Weser. Sein Verein ist jetzt Eintracht Frankfurt. Der 53-Jährige gibt sich betont sachlich vor dem Wiedersehen, doch in Bremen kommt man nicht von Schaaf los. Sehr zum Ärger von Eichin, der wollte, dass der Verein endlich nach vorne schaut und nicht mehr nach hinten.

Doch Skripnik, dessen Assistent Frings oder der neue Aufsichtsratschef Marco Bode beschwören, seit sie vor fünf Wochen aus der zweiten in die erste Reihe getreten sind, die guten alten Zeiten – und widersprechen indirekt Eichin.

Skripnik aber fühlt sich der Philosophie seines Vorvorgängers geradezu verpflichtet

Skripnik, Frings und Bode haben Werder-Geschichte mitgeschrieben, sie erinnern an grün-weiße Traditionen, an den besonderen Zusammenhalt der Werder-Familie. Und damit auch an Schaaf.

Eichin hingegen hatte in der jüngeren Vergangenheit eher davor gewarnt, in Erinnerungen zu schwelgen. Es sei nicht zielführend, von längst vergangenen glorreichen Zeiten zu träumen. Entscheidend sei der Ist-Zustand, so der neue Macher an der Weser. Man war nicht begeistert von solchen Aussagen, aber es widersprach auch niemand vehement.

Es war nicht so, dass Eichin gnadenlos jeden Stein im Werder-Gebilde umgedreht hat, aber er hat einiges verändert, wollte bewusst mit Traditionen brechen. Die Trainingslager fanden nicht mehr dort statt, wo sie unter Schaaf immer stattgefunden hatten, die Mannschaft übernachtete nicht mehr im Parkhotel, der gemeinsame Besuch des Freimarkts wurde gestrichen. Und schließlich hat Eichin im Mai 2013 die Trainerikone Schaaf freigestellt. Jenen Thomas Schaaf, der seit 1972 zu Werder gehörte wie der Roland zu Bremen. Bode und Skripnik dagegen haben lange mit Schaaf zusammengespielt und später unter ihm trainiert. „Er hat mir gezeigt, wie Fußball funktioniert“, sagt Skripnik. Oder, komplizierter: „Thomas weiß, dass wir wissen, was er weiß.“

Die Situationen lassen sich durchaus vergleichen: Im Mai 1999 folgte Schaaf auf Felix Magath, Skripnik löste im Oktober 2014 den erfolglosen Robin Dutt ab. Magath passte nicht zu Werder, Dutt passte nicht zu Werder. Man brauchte damals wie heute grün-weißen Stallgeruch. Etwas, das der frühere Gladbacher Fußballer und Kölner Eishockeymanager Eichin nicht hat, nicht haben kann. Was er aber auch nur bedingt für nötig hält.

Skripnik aber fühlt sich der Philosophie seines Vorvorgängers geradezu verpflichtet. Wie Schaaf will er einen offensiven Fußball spielen, lieber 5:4 als 1:0 gewinnen. Wie Schaaf hält er eher einfache, aber klare Fußballeransprachen.

Das Winter-Trainingslager 2015 findet übrigens wieder in Belek statt – dort wo Schaaf stets hinflog. Mit dem Parkhotel ist man in Verhandlungen. „Das war immer so, auch bei Thomas, das passt zu Werder“, sagt Skripnik. Eichin muss offensichtlich gerade feststellen, dass die große Werder-Familie eine gewisse Folklore braucht. Dieses spezielle „Wir-Gefühl“ an der Weser hat dann doch viel mit Erinnerungen an bessere Zeiten zu tun.

Rund 14 Jahre war Schaaf als Chef dafür verantwortlich, jetzt gibt dieser sich vor seinem ersten Spiel gegen Werder – gewohnt spröde. Bremen sei für ihn abgeschlossen. Die Fans wünschen ihn sich mehrheitlich nicht als Werder-Trainer zurück, aber seinen Kultstatus wird er behalten, sein Geist lebt weiter. Man hat das bei den Abschiedsspielen von Torsten Frings und Ailton gut beobachten können. Keiner der ehemaligen Stars erhielt so viel Applaus wie Thomas Schaaf.

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