Sport : Es geht abwärts

Alba Berlin droht nach schwachem Spiel gegen den Letzten Ostende erneut im Uleb-Cup zu scheitern

Helen Ruwald

Berlin - William Avery stand freundlich lachend vor dem VIP-Raum der MaxSchmeling-Halle. Das letzte Spiel vor der Weihnachtspause war vorbei, am Donnerstag fliegt der Spielmacher von Alba Berlin auf Heimaturlaub in die USA. Doch Averys gute Laune war aufgesetzt, seine Worte konterkarierten seine Mimik. „Ich fühle mich beschissen“, sagte er. „Ich übernehme die volle Verantwortung. Dabei war ich zuversichtlich, dass ich treffe.“ 8,6 Sekunden vor Schluss trat er im Uleb-Cup-Spiel gegen Telindus Ostende an die Freiwurflinie und hätte aus einem Punkt Vorsprung drei machen können. Er traf nicht, der keineswegs überzeugende Tabellenletzte Ostende im Gegenzug schon, und so verlor der Tabellenführer der Basketball-Bundesliga mit 65:66. Avery hat damit im dritten Heimspiel in Folge in den letzten Sekunden wichtige Freiwürfe vergeben. Vor zwei Wochen gegen Siena (69:71) brachte er sein Team dadurch um die Verlängerung. Im Spitzenspiel gegen Ludwigsburg (99:90) am Sonnabend zeigte er erneut Nerven, traf aber in der Verlängerung entscheidende Dreier.

„William hat das Spiel fast alleine gedreht“, sagte Trainer Henrik Rödl über Averys Distanzwürfe in der zweiten Halbzeit, „dass ausgerechnet er die Freiwürfe vergibt, ist bitter. Aber das ist keine Frage des Könnens, sondern eine Nervensache.“ Alba verwandelte nur acht von 18 Freiwürfen, eine miserable Quote in einem schwachen Spiel. Avery kam zwar auf 21 Punkte, versagte aber beim Versuch, das Spiel zu lenken. „Man hat viel Krampf gesehen, die Lockerheit hat gefehlt“, sagte Teammanager Henning Harnisch über das gesamte Team. „Vor einer Woche war die Chance aufs Weiterkommen relativ gut, jetzt ist sie relativ schlecht.“ Alba bleibt zwei Spieltage vor Ende der Vorrunde Fünfter der Gruppe C, mit einem Sieg Rückstand auf Chimki Moskau (Platz 2), Academic Sofia (3) und Hapoel Jerusalem (4). Die besten vier Mannschaften ziehen ins Achtelfinale ein. Alba spielt noch gegen Moskau und beim wiedererstarkten Jerusalemer Team. Am realistischsten scheint, dass die Berliner Sofia noch abfangen. Die Bulgaren müssen noch gegen Spitzenreiter Siena und in Moskau antreten, und Alba hat den direkten Vergleich mit Sofia für sich entschieden.

Der Auftritt vom Dienstag, den die Fans schon in den Auszeiten in der zweiten Halbzeit immer wieder mit wütenden Pfiffen kommentierten, spricht eher dafür, dass Alba Berlin erneut frühzeitig im Uleb-Cup scheitern könnte. Entscheidend dafür ist die Heimschwäche. In vier Spielen auswärts siegte Alba zweimal, in ebenso vielen Heimspielen hingegen nur einmal. Beim Erfolg vor einer Woche in Sofia hatte jeglicher Druck gefehlt, hatten die Bulgaren doch fast zwei Jahre lang kein Heimspiel verloren. In Ostende hielt das Team dem Druck des Unbedingt-gewinnen-Wollens stand, im Heimspiel gegen die Belgier dem des Gewinnen-Müssens nicht. Im bisher wichtigsten Spiel der Saison wirkte Alba wie gelähmt, nur der unerfahrene Nicolai Simon gab wichtige Impulse.

Dass das Spiel wenig ansehnlich war, machte Henrik Rödl der Mannschaft nicht zum Vorwurf. „Es ging nicht um einen Schönheitspreis, sondern nur um den Sieg.“ Dazu fehlte die sichere Hand beim Freiwurf, doch Freiwürfe unter Druck sind im Training nicht zu simulieren. Rödl meinte sarkastisch: „Wir haben noch reihenweise wichtige Spiele. Bald müsste der Knackpunkt erreicht sein, dass die Bälle reinfallen.“ Der Trainer führt auch „die unglaubliche Anstrengung“ der letzten Wochen mit vielen schweren Spielen als Grund für fehlende Spritzigkeit an. Ein Ende der Belastung könnte Mitte Januar erreicht sein: wenn Alba aus dem Uleb-Cup ausscheiden sollte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar