Sport : Es geht auch auswärts

In der EM-Qualifikation gewinnt die deutsche Nationalmannschaft 4:1 in der Slowakei

Stefan Hermanns[Bratislava]

Lukas Podolski ballte die Faust und reckte den rechten Arm noch einmal in die Höhe, als er fast schon wieder an der Mittellinie angekommen war. Der Nationalstürmer bejubelte ausgiebig seinen Führungstreffer in der dreizehnten Minute im EM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei. Die überzeugende deutsche Nationalmannschaft siegte souverän 4:1 (3:0) und kam – abgesehen vom 13:0 in San Marino – zum ersten Auswärtssieg seit 16 Monaten. Im September 2005 hatten die Slowaken noch 2:0 gegen die deutsche Mannschaft gewonnen, doch gestern standen im deutschen Team nur vier und im slowakischen nur fünf Spieler aus dieser Partie in der Anfangsformation.

Lukas Podolski war vor einem Jahr zur Halbzeit eingewechselt worden. „Er ist ein Juwel im deutschen Fußball“ hatte Bundestrainer Joachim Löw nun vor dem dritten Sieg im dritten Gruppenspiel der EM-Qualifikation gesagt, und der 21 Jahre alte Podolski zeigte sich gestern unbeeindruckt von seiner Tätlichkeit mit anschließendem Platzverweis im Testspiel am vergangenen Sonnabend gegen Georgien. Der Reservist von Bayern München hat eine überragende Quote in der Nationalmannschaft: 22 Tore in 37 Spielen.

Schon vor Podolskis Führungstreffer hatte die deutsche Mannschaft das Spiel spielerisch dominiert, durch das Pressing und die daraus resultierenden Ballgewinne kam sie schon kurz nach dem Anpfiff zu ihren ersten viel versprechenden Angriffen. Podolskis Tor ging eine schöne Kombination über Bernd Schneider und Miroslav Klose voraus, der seinen Sturmkollegen Podolski mit einer flachen Hereingabe von der rechten Seite bediente.

Auch beim 2:0 hatte der Torschütze keine Mühe: Nach einer Flanke von Philipp Lahm konnte Michael Ballack unbedrängt aus fünf Metern einköpfen. Vor dem Spiel hatte der Kapitän der Nationalmannschaft auf die Frage nach Schwächen der Slowaken geantwortet: „Vielleicht die, in entscheidenden Spielen nicht gewinnen zu können.“ Die Slowaken hatten die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in der Relegation gegen Spanien verpasst und ihr Heimspiel in der Qualifikationsgruppe gegen Tschechien 0:3 verloren. So stand es gestern bereits zur Halbzeit, weil Bastian Schweinsteiger abstaubte, nachdem der slowakische Torhüter Kamil Contofalsky einen Schuss von Ballack nicht festgehalten hatte.

Nationaltrainer Dusan Galis und seine Spieler gingen unter Pfiffen der meisten der 21 000 Zuschauer in Bratislava in die Kabine. Einige hatten aber etwas anderes, dümmeres, zu tun, als die Slowaken für ihre Leistung auszupfeifen. „Zick-zack Zigeunerpack“ war aus einem Block mit etwa 400 deutschen Hooligans zu hören, in dem es anschließend zu einer Eskalation kam. Ungefähr 30 Polizisten stürmten in den Block und isolierten gewaltsam einige Hooligans, mindestens einer wurde sofort abgeführt. Die Einsatzkräfte bekamen die Situation zunächst unter Kontrolle, doch auch in der zweiten Halbzeit kam es noch mehrfach zu Auseinandersetzungen mit den Hooligans. „Wir distanzieren uns von diesen Leuten“, sagte Ballack über die Randalierer. Schon tagsüber hatte die slowakische Polizei rund fünfzig mutmaßliche Hooligans aus Deutschland an der Grenze gestoppt und ihnen die Einreise verweigert.

Nach der Pause kamen die Slowaken etwas besser ins Spiel und hatten gleich eine erste Kopfballchance durch Miroslav Karhan vom VfL Wolfsburg, von den Nürnbergern Marek Mintal und Robert Vittek war nicht viel zu sehen. Trotzdem fiel nach einer Stunde das erste Tor gegen die deutsche Nationalmannschaft im fünften Spiel unter Bundestrainer Joachim Löw. Nach einem Freistoß flog Torwart Jens Lehmann ins Leere und so hatte Stanislav Varga keine Mühe zum 1:3 einzuköpfen. Lehmann zeigte einige Unsicherheiten.

Die deutsche Mannschaft beschränkte sich weitestgehend darauf, das Ergebnis zu verteidigen. Ein Konter brachte die Entscheidung, als Klose quer auf Podolski ablegte, der den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste. Groß gejubelt hat er danach schon gar nicht mehr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar