Sport : „Es tut schon wieder weh“ Wolfgang Tiefensee über Leipzigs frühes Scheitern

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Herr Tiefensee, sind Sie traurig, dass bei der Endauswahl der Olympiastadt 2012 Ihre Stadt Leipzig nicht mehr dabei ist?

Natürlich. Das tut in diesen Tagen schon wieder weh. Die Bilder vom vergangenen Jahr, als der deutsche Kandidat Leipzig in der Vorauswahl ausgeschieden ist, steigen wieder in mir auf: Ich stand auf dem Nikolaikirchhof und habe so viele enttäuschte Menschen gesehen.

Schauen Sie sich die heutige Entscheidung im Fernsehen an?

Wir sind bei einer Haushaltsklausur. Aber am frühen Nachmittag werde ich mich im Fernsehen informieren. Ich bin ziemlich sicher, dass Paris gewinnen wird. Und ich bin sicher, dass Leipzig in der nächsten Runde wenigstens eine Außenseiterchance gehabt hätte.

Aber das Internationale Olympische Komitee hat Leipzig als zu klein eingestuft.

Es gab sehr unterschiedliche Botschaften aus dem IOC in unsere Richtung. Es hieß zum Beispiel, unser Finanzkonzept sei nicht stimmig. Da frage ich mich natürlich: Traut man den Deutschen nicht? Auch die Hotelkapazitäten sollten nicht ausreichend sein. Dazu würde ich gerne wissen: Können wirklich alle Städte in der Endauswahl so innovative Konzepte vorweisen wie wir? Mich interessiert schon, welche Olympischen Spiele das IOC denn will. Vielleicht möchte es ja nur Megastädte als Bewerber.

Es sieht so aus.

Dann frage ich mich, warum Jacques Rogge sagte, er würde sich über eine weitere Leipziger Bewerbung freuen.

Ist Leipzig überhaupt fit für internationale Veranstaltungen?

Wir haben gelernt, unsere Stadt auf dem internationalen Markt zu platzieren. Wir haben den Bürgersinn in unserer Stadt gestärkt. Das Ergebnis konnte man beim Confed-Cup in unserer Innenstadt bewundern, als viele Bürger und Gastwirte ein großes Fußballfest organisiert haben. Die Bilder waren rund um den Erdball zu sehen.

Ganz ehrlich, Herr Tiefensee, wird sich Leipzig wirklich noch einmal um Olympische Spiele bewerben?

Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit: nein. Aber ich weiß nicht, was nachfolgende Generationen darüber denken. Vielleicht wandeln sich auch die Spiele.

Vielleicht senkt auch Leipzig die Ansprüche. Kann Ihre Stadt überhaupt zwei Stadien gebrauchen?

Für Olympische Spiele benötigt man die. Danach hätten wir das zweite Stadion zurückgebaut und Teile anderen ostdeutschen Städten zur Verfügung gestellt.

Aber nicht einmal im Leipziger Zentralstadion findet großer Fußball statt.

Wir können nicht am Gras ziehen. Der FC Sachsen spielt leider nur in der vierten Liga, das schmerzt die Stadt natürlich. Aber man muss Geduld mit dem Fußball in Leipzig haben. Bei der Weltmeisterschaft 2006 werden wir jedenfalls große Spiele in unserer Stadt zu sehen bekommen. Das wird uns stolz machen – und uns auch ein wenig trösten.

Das Gespräch führte Robert Ide.

Wolfgang Tiefensee, 50 , ist Oberbürgermeister von Leipzig. Seine Stadt scheiterte mit der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 schon in der Vorauswahl im vergangenen Mai.

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