Sport : Euro statt Lire

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Benedikt Voigt über Lizenzentzüge

für italienische Fußballklubs

Jetzt zieht also der Teutone Carsten Jancker über die Alpen nach Italien, auf dass ihm Udines Trainer auf dem Fußballfeld mehr Einsatzzeit gewährt als Bayerns Ottmar Hitzfeld oder Deutschlands Rudi Völler. Man müsste ihm gratulieren, wenn es nicht diese Meldung gäbe, die zur gleichen Zeit aus der anderen Richtung über die Alpen dringt: Die Serie A verweigerte Lazio und AS Rom die Lizenz, ebenso sechs Zweitligisten und 15 Drittligisten. Jancker wählte einen schlechten Augenblick, um in Italien zu spielen. „Der Fußball steckt in der dunkelsten Phase seiner Geschichte, das gesamte System steht vor dem Zusammenbruch“, sagt Sergio Campana, Präsident der italienischen Spielergewerkschaft. Und der „Corriere della Sera“ schreibt: „Die Schulden erdrosseln den italienischen Profi-Fußball.“ Der AC Mailand beispielsweise machte zuletzt 75 Millionen Euro Miese.

Trotzdem ist die Laune gut unter Italiens Fußballbossen, sie können ja ihre Bilanz bis zum 29. Juli nachbessern. AS Roms Klubchef Franco Sensi möchte das Geld („Bei uns geht es um 2,5 oder 3 Millionen Euro“) gleich selber einbezahlen, und auch bei Lazio bleibt man gelassen. Erstliga-Absteiger Hellas Verona verfolgt ebenfalls eine traditionelle Taktik. „Unsere Bilanz ist in Ordnung“, meldet der Klub und ignoriert einfach seine Lizenzprobleme. Italiens Vereine haben es nie so genau genommen mit dem Wirtschaften, an hohe Schuldenbeträge haben sie sich längst gewöhnt. Eines sollte die Klubchefs allerdings jetzt nervös machen. Diesmal handelt es sich um Euro, nicht um Lire.

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