Sport : Europapolitik im Fußball

Christian Hönicke

Nicht nur die heraneilende WM zeigt: Fußball und Politik sind sich sehr nahe gekommen. So wird auch im internationalen Klubfußball längst auf politische Gepflogenheiten zurückgegriffen, zum Beispiel auf den guten alten Testballon. In der Politik ist diese Methode üblich, um mit zunächst überzogen wirkenden Forderungen das eigentliche, harmlosere Anliegen salonfähig zu machen. Dass das auch im Sport funktioniert, hat die G14 gerade eindrucksvoll demonstriert.

Die G14 ist der Zusammenschluss der 18 mächtigsten europäischen Klubs, dem unter anderem Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen angehören. Vor ein paar Tagen nun ist dem „Guardian“ ein Strategiepapier mit dem Namen „Vision Europe“ zugespielt worden, das der G14 zugerechnet wird und das vorsieht, die Champions League abzuschaffen und durch eine Liga ohne Auf- und Abstieg zu ersetzen. Die Klubs haben dieses Ansinnen inzwischen offiziell dementiert, dennoch bringt ihnen die (inszenierte?) Offensive vermutlich genau das, was sie wollen: mehr Planungssicherheit und mehr Geld. Erwartungsgemäß hat die Uefa empört reagiert und mit allerlei ideologisch-protektionistischem Vokabular um sich geworfen. Allerdings hat der Fußballverband auch seine Bereitschaft erklärt, die Champions League umzustrukturieren respektive aufzustocken, um es sich nicht mit den Klubs zu verscherzen.

Ein erfolgreicher Testballon also. Und was lernt der Fußballfan daraus? Wann immer ein neues Strategiepapier der G14 auftaucht, ist eine Reform der Champions League nicht weit. Und es kann nicht schaden, zum besseren Verständnis des Spiels auch mal den Politikteil zu lesen.

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