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Experten sehen keinen Nachweis für Doping : DOSB bittet Claudia Pechstein um Entschuldigung

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) rehabilitiert Claudia Pechstein und fordert eine Neuaufnahme ihres Verfahrens. Die Eisschnellläuferin reagiert erleichtert: "Jetzt weiß ich, dass es sich gelohnt hat, zu kämpfen."

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Claudia Pechstein nähert sich der endgültigen Rehabilitierung. Foto: dpa
Claudia Pechstein nähert sich der endgültigen Rehabilitierung.Foto: dpa

Am Donnerstagmorgen hat sich für Claudia Pechstein am Flughafen Schönefeld ein Kreis geschlossen. Sie wartete auf ihren Flug zum Eisschnelllauf-Weltcup nach Hamar, Norwegen, also jenem Ort, an dem ihr Leben vor sechs Jahren aufgrund von erhöhten Blutwerten und der folgenden Dopingverurteilung eine dramatische und unglückliche Wendung genommen hat. Inzwischen aber wendet sich fast alles wieder zum Guten für sie, auch an diesem Donnerstagmorgen.

Die Spitze des deutschen Sports hat Claudia Pechstein moralisch und sportlich voll rehabilitiert. „Claudia Pechstein gilt aus unserer Sicht als Opfer“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Berlin und nannte das Dopingurteil eine Fehleinschätzung: „Man kann nur um Entschuldigung bitten, für all das was ihr in den vergangenen Jahren medial und psychologisch zugefügt worden ist.“

Grundlage dieser Entschuldigung bildet die Einschätzung eines vom DOSB eingesetzten medizinischen Expertengremiums, die vorhergehenden Urteile gegen Claudia Pechstein wegen Dopings seien falsch gewesen. „Alle Gutachter kommen zum Schluss, dass anhand der Blutbildverläufe und Erythrozyten-Merkmale von Claudia Pechstein ein Doping-Nachweis nicht geführt werden kann“, schreibt der Kommissionsvorsitzende Wolfgang Jelkmann, Direktor des Instituts für Physiologie an der Universität zu Lübeck.

Damit hat Claudia Pechstein neue Rückendeckung für ihren juristischen Kampf gegen die Internationale Eislauf-Union (ISU) bekommen. Zurzeit klagt sie auf eine Entschädigung in Höhe von 4,4 Millionen Euro. „Moralisch fühle ich mich bereits rehabilitiert“, sagte sie, „aber erst wenn das Urteil gegen mich aus der Welt ist, die ISU ihren Fehler eingestanden hat und ich finanziell entschädigt wurde, werde ich zur Ruhe kommen.“

Der DOSB versucht gegenwärtig, die Eisschnelllauf-Union zum Einlenken zu bewegen. „Wir appellieren an die ISU das Verfahren noch einmal aufzunehmen“, sagte Alfons Hörmann, „es wäre sinnvoll, nochmals den gesamten Fall zu behandeln.“ Obwohl der DOSB kein Verfahrensbeteiligter war und ist, droht ihm trotzdem Ungemach.

Pechstein ist der sporthistorische Schritt gelungen, ihren Fall vor ein Zivilgericht zu bringen. Nun droht für das gesamte System der Sportgerichtsbarkeit Gefahr. „Es müssen die richtigen Schlüsse aus dem Fall gezogen werden“,sagte der DOSB-Präsident, „die Antwort kann nicht sein, die Sportgerichtsbarkeit in Frage zu stellen.“ Der DOSB bezeichnete vielmehr ihren Fall als medizinisch einzigartig und fordert Veränderungen beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas), was die Besetzung der Schiedsrichter, die Verhandlungssprache und die öffentliche Transparenz der Verhandlungen betrifft.

Claudia Pechstein begrüßte die neue Unterstützung durch die höchsten deutschen Sportfunktionäre. "Jetzt weiß ich, dass es sich gelohnt hat, zu kämpfen“, sagte sie – und bestieg das Flugzeug in Richtung Hamar.

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