Extremismus im Fußball : Rechte sitzen vor allem in unteren Ligen

Am 27. Oktober haben Fans von Dynamo Dresden während eines Spiels gegen Hertha BSC II immer wieder "Juden Berlin" gerufen. Doch erstmals bekamen die Dresdner Rechtsextremisten Paroli aus den eigenen Reihen - auch ein Erfolg von Fanarbeit.

Berlin - Der Regionalligaverein Dynamo Dresden ist nach den Krawallen am Rande des Auswärtsspiels gegen Hertha BSC II erneut negativ in die Schlagzeilen gekommen. Fans riefen immer wieder "Juden Berlin". Doch gleichzeitig wehrten sich erstmals Dresdner Fans offensiv gegen die antisemitischen Pöbeleien. "Aus den eigenen Fan-Reihen kamen als Antwort deutliche "Nazis-Raus!"-Rufe. So etwas hat es in dieser Form noch nicht gegeben", sagt Thorsten Rudolph, hauptamtlicher Fanprojektmitarbeiter in Dresden. Die Fanprojekte und die Selbstregulierung "beginnen ganz langsam zu greifen".

Dass eine stärkere soziale Kontrolle der Fans untereinander ein wichtiger Schlüssel zur Bekämpfung auch der rechten Gewalt ist, betont Professor Gunter A. Pilz vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Hannover. "Es geht besonders darum, den strammen Rechten keine Plattform mehr zu bieten und zu verhindern, dass sich Mitläufer ihnen anschließen", sagte Pilz.

Der Rassismus wird subtiler

Dazu trage das Nationale Konzept Sport und Sicherheit (getragen unter anderem von etlichen Ministerien und dem Deutschen Fußballbund) bereits wesentlich bei. Pilz: "Der offene Rassismus geht zurück. In verdeckter und subtiler Form ist er allerdings noch immer in den Stadien zu finden." So müssten beispielsweise farbige Spieler bessere Leistungen bringen, bevor sie von den Fans gefeiert würden. Bei schlechten Vorstellungen würden sie schneller ausgepfiffen.

Der unverhohlene Rassismus sei in großem Umfang in die unteren Ligen verdrängt worden. Im Osten sei das Problem, auch wegen der schlechteren sozialen Lage, stärker präsent als im Westen Deutschlands. Ein Schwerpunkt ist Sachsen, wo mit Lok Leipzig, Sachsen Leipzig, Dynamo Dresden und anderen jene Vereine, bei denen Gewalt und fremdenfeindliche Aktionen häufiger vorkommen, überrepräsentiert sind. Doch Sachsen, kritisiert Thorsten Rudolph, "entzieht sich dem Nationalen Konzept".

In dessen Rahmen unterstützt der DFB auch Fanprojekte finanziell, wenn sich Kommunen und Land ebenfalls beteiligen. Dynamo Dresden würde so rund 30.000 Euro vom DFB bekommen, wenn das Land und die Stadt jeweils die gleiche Summe dazugeben würden. Zu einer solchen gesondert ausgewiesenen Drittelfinanzierung ist das Land aber bisher nicht bereit. Im Sozialministerium verweist man auf zur Verfügung stehende Gelder der so genannten Jugendpauschale. Doch Rudolph bezeichnet es als unrealistisch, dass die Kreise daraus Geld abziehen und für eine ausreichende Finanzierung im Rahmen des Nationalen Konzepts bereitstellen.

Sachsen sperrt sich gegen Finanzierung von Fanprojekten

"Das ist ein Ärgernis, ein Fehler", kommentiert Pilz. Dort wo es brenne, müssten Fanprojekte und andere Konzepte unterstützt werden. Pilz schlägt deshalb vor, entsprechende Vorhaben über einen Solidarfonds zu unterstützen. "Den könnte eventuell die Bundesliga finanzieren. Wenn es stimmt, dass ein erheblicher Teil der rechtsradikalen Fans in untere Ligen verdrängt worden ist, dann wäre das die notwendige Solidarität mit den schwächeren Vereinen", so Pilz. Dort sei finanzielle Unterstützung dringend nötig, betont auch Thorsten Rudolph: "Die meisten Fans können wir erreichen. Das ist eine langfristige Arbeit, deren Früchte man erst nach Jahren sieht."

Das Thema Fremdenfeindlichkeit in Fußballstadien war in den vergangenen Monaten nach etlichen Vorfällen wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Unter anderem war in der Berliner Kreisliga ein Spiel wegen antisemitischer Äußerungen von Fans abgebrochen worden. Beim Spiel zwischen Hertha BSC II und Dynamo Dresden waren antisemitische Pöbeleien erneut unüberhörbar. Doch Fanbeauftragte beider Vereine betonten, dass die Gewaltszenen damit nichts zu tun gehabt hätten. Vielmehr hätten Dresdner Fans aus Ärger über einen Ausgleichstreffer der Berliner zu randalieren begonnen und sich anschließend mit der anrückenden Polizei geprügelt. (Von Olaf Jahn, ddp)

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