Sport : Exzentrisch erfolgreich

Hertha BSC steht in der Bundesliga so gut da, weil Marko Pantelic zurzeit überragend spielt

Stefan Hermanns

Berlin - Marko Pantelic verfügt über Eigenheiten, mit denen er sich das Leben immer wieder selbst schwer macht. Der Serbe, Stürmer von Hertha BSC, liebt die große Geste, und am Samstag, beim 2:1-Sieg des Berliner Fußball-Bundesligisten gegen den 1. FC Nürnberg, hat er dem Publikum mal wieder die gesamte Bandbreite seiner Ausdruckskunst vorgeführt. Es stand noch 0:0, als Pantelic einen hoffnungsvollen Pass in den Lauf gespielt bekam. Der Ball verhaspelte sich in seinen Füßen, Pantelic hob die Arme flehentlich, blickte fluchend in den Himmel – und übersah dabei, dass ihm der Ball erneut vor die Füße gerollt war. Vertan die zweite Chance. Die Zuschauer pfiffen.

„Marko ist vom Auftreten ein sehr auffälliger Typ“, sagte Herthas Trainer Falko Götz. Nicht immer haben die Berliner Pantelics Exaltiertheit so gelassen ertragen wie am Samstag, als sich alles Schlechte zum Guten zu wenden schien: Als er aus 20 Meter und vollem Lauf den Ball mit dem Außenrist seines rechten Fußes zum 1:0 in den Winkel des Nürnberger Tores schlenzte. Pantelics rechter Außenrist ist so etwas wie ein running gag bei Hertha geworden, weil der Serbe mit ihm immer wieder die Schwäche seines linken Fußes zu kaschieren versucht. Dass Pantelic den Treffer Manager Dieter Hoeneß widmete, war zwar lustig gemeint, hatte jedoch auch einen ernsten Hintergrund. Hoeneß hatte den Hang des Stürmers zu komplizierten Kunstschüssen zuletzt heftig kritisiert. „Mein Außenfuß ist sehr gut“, sagte der Serbe dazu. Und weil der Samstag ein ausnehmend guter Tag für ihn war, bewies Pantelic mit seinem Tor zum 2:1 auch gleich noch, dass sogar sein linker Fuß zu mehr taugt als zur bloßen Fortbewegung.

Der 28-Jährige führt nun alleine die Torschützenliste der Bundesliga an, in zehn Spielen hat er sieben Tore erzielt. Seit dem Aufstieg 1997 hat kein Spieler von Hertha zu diesem Zeitpunkt eine derart gute Quote gehabt, weder Marcelinho noch Michael Preetz, der beste Bundesligatorschütze des Vereins.

So exzentrisch sich Pantelic auf dem Feld geriert, so brav gibt er sich nach dem Spiel. „Ich schieße die Tore nicht für mich, sondern für die Mannschaft“, sagte er. „Wenn es Hertha gut geht, geht es auch mir gut.“ Die Frage ist, ob die Kausalität inzwischen nicht genau andersherum ist: Stehen die Berliner in diesen Wochen, in denen die Liga noch in ihrer Selbstfindungsphase steckt, nicht gerade deshalb so gut da, weil Pantelic zurzeit so überragend spielt? Hertha sucht die Konstanz, Pantelic hat sie gefunden. Die Frage, wie stark die Mannschaft wirklich ist, ist auch nach dem Spiel gegen Nürnberg noch nicht abschließend geklärt. „Die ganze Liga ist komisch – wenn man mit 16 Punkten aus zehn Spielen oben landet“, sagte Torhüter Christian Fiedler.

Pantelic hat nicht nur einfach sieben Tore für Hertha erzielt, es waren auch vornehmlich wichtige: unter anderem das 1:0 gegen Hannover, das 2:1 gegen Stuttgart, der Siegtreffer zum 2:1 gegen Mönchengladbach und die beiden Tore gegen Nürnberg. „Er hat ein Gespür dafür, was für die Mannschaft wichtig ist“, sagte Götz. Es sind nicht seine Tore alleine. Gegen Nürnberg war Pantelic auch in kämpferischer Hinsicht ein Vorbild. „Er hat sehr aufopferungsvoll gespielt, sehr, sehr viele Wege gemacht und der Mannschaft seine Erfolgsgeilheit vorgelebt“, sagte Götz. „Dann muss man ihm auch zugestehen, dass er den einen oder anderen Ball mal verliert.“ Selbst Herthas Trainer erschließt sich das Handeln des Stürmers nicht immer auf den ersten Blick. Vor zwei Wochen, im Spiel gegen Mönchengladbach, dachte Götz vor dem Tor zum 2:1: „Das geht eigentlich auch nicht: wie er den Ball annimmt, sich durch zwei Gegenspieler schlängelt – und dann das Spiel entscheidet.“

Manager Hoeneß lobte am Samstag Pantelics Einsatz: „Er hat hinten Bälle erkämpft und rausgeköpft.“ Insofern war es nur gerecht, dass Pantelics träger Sturmpartner Christian Gimenez bei seiner einzigen auffälligen Aktion den Ball nicht selbst ins Tor befördern konnte, sondern ausnahmsweise nur die Vorarbeit für Pantelic erledigte. In der Regel ist es andersherum. Nürnbergs Torhüter Raphael Schäfer hielt den schwachen Schuss des Argentiniers, ließ ihn dann aber vor die Füße von Pantelic fallen. „Christian braucht noch ein bisschen. Das hat man gesehen“, sagte Falko Götz. „Wenn er aber nicht aufs Tor schießt, kann Schäfer auch den Fehler nicht machen.“

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