Sport : Fahne gegen Pfeife

Manfred Amerell

Beim Spiel Hertha BSC – Hannover 96 hatte Schiedsrichterassistent Alexander Schlutius kurzzeitig Abseits angezeigt, weil er irrtümlich dachte, der Berliner Christian Gimenez werde ins Spiel eingreifen und damit strafbar abseits stehen. Mehrere Hannoveraner Spieler stoppten daraufhin ihre Aktionen, doch Schiedsrichter Jochen Drees ließ weiterspielen. Sekunden später schoss Pantelic das 1:0 für Hertha. Darf ein Spieler überhaupt jemals auf die Hinweise eines Assistenten im Spiel reagieren, Herr Amerell?

Nein, darf er nicht. Allein der Schiedsrichter trifft im Spiel die Entscheidungen, schließlich hat er auch die Verantwortung. Das predigen die Trainer immer wieder. Ich war bei dem Spiel Schiedsrichterbeobachter, konnte also die Situation gut einschätzen. Schiedsrichter Drees hat absolut regelgerecht gehandelt, auch der Assistent hatte sofort wieder die Fahne unten, aber da war es halt schon zu spät. Dann fiel auch noch ein Tor, das ist dann die Höchststrafe für einen Assistenten

Wenn ein Schiedsrichter der Meinung ist, der Assistent liege mit einem Hinweis falsch, dann zeigt er ihm üblicherweise an: Nimm’ die Fahne wieder runter. Andererseits wird er selbstverständlich zu seinem Assistenten gehen und ihn befragen, sollte er eine Spielsituation nicht richtig gesehen haben. Falls ein Schiedsrichter aber mal definitiv eine schwerwiegende Fehlentscheidung getroffen hat, dann hat ein Assistent auch die Möglichkeit, auf das Spielfeld zu gehen und den Unparteiischen aufzuklären. Dann gilt es, gravierenden Schaden abzuwenden. Das passiert aber nur bei einer Spielunterbrechung. Denn nur so lange das Spiel unterbrochen ist, kann eine Entscheidung rückgängig gemacht werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben