Sport : "Fall Krieger" vor dem Landgericht

Im Prozess um Doping in der früheren DDR hat gestern in Berlin erstmals ein Opfer ausgesagt, das sich nach dem Ende der Sportkarriere einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat. Der heute 34-jährige Andreas Krieger schilderte vor dem Berliner Landgericht in Moabit, wie er als Kugelstoßerin Heidi Krieger in den 80er Jahren bis zu fünf blaue Pillen mit männlichen Hormonen täglich verabreicht erhielt. 1986 war Krieger Europameisterin im Kugelstoßen geworden. Die Doping-Präparate hätten seine transsexuelle Veranlagung forciert, erklärte Krieger. Er habe sich mit seinem Körper nicht mehr identifizieren können. 1997 habe er sich der operativen Geschlechtsumwandlung unterzogen. "Eine Heidi Krieger ist mir fremd", erklärte Krieger.

Von seelischen Verletzungen berichtete auch Martina Gottschalt nach ihrem Karriere-Ende als Schwimmerin: "Ich wurde weggeschmissen wie ein Stück Müll. Ich durfte nicht einmal abtrainieren", sagt die 34-Jährige noch heute völlig verständnislos. "Es hieß, es ist keine Bahn frei." Kurz darauf erlitt sie einen Gallenverschluss, den sie auf das abrupte Sport-Ende zurückführt. Dann berichtete sie von ihrem Kind, das mit einem Klumpfuß zur Welt kam. Drei weitere Doping-Opfer kenne sie, die Nachwuchs mit dieser Behinderung geboren hätten.

In dem Prozess müssen sich der frühere DDR-Sportchef Manfred Ewald und der Sportmediziner Manfred Höppner verantworten. Die Anklage wirft ihnen wegen des Dopings von oftmals Minderjährigen Beihilfe zur Körperverletzung vor.

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